Start Themen _ACCOUNT _SUBMITNEWS _TOP10

Personal Homepage of Wolfgang Melchior
   
Sie sind ein anonymer Benutzer. Sie können sich hier anmelden Abmelden   18. 11. 2017  
Schule und Unterricht
Materialien zum Unterricht
·  Geschichte
   Links und Materialien - alle Klassen
·  Deutsch
   Links und Materialien - alle Klassen
·  Ethik
   Links und Materialien - alle Klassen
      ·  Theater

_______________________

W- Seminare

P-Seminare

BuS-Seminare

_______________________

Geschichstwettbewerb des Bundespräsidenten
·  Skandal in der Geschichte
   2010/11 DGK
(abgeschlossen; Förderpreis der Jury)
·  Nachbarn in der Geschichte
   2012/13 GGM (laufend)

_______________________

Fortbildungen
(SchiLF unf RLFB)

Publikationen
·  Artikel
·  Rezensionen
·  Film-Interpretationen
·  Film-Kritiken
·  Varia

Projekt Mediävistik
·  Einführung
·  Gattungen
·  Autoren

Vorbereitung Staatsexamen
·  Philosophie/Ethik
·  Deutsch
·  Geschichte

Archive
·  Film-Archiv
·  Musik-Archiv
·  Videoclips-Archiv

Philosophie im Netz
·  Widerspruch - Zeitschrift f. Philosophie
·  Recherche-System zur Philosophie
·  Die Philosophie Page

Deutschdidaktik
·  Kreatives Schreiben
·  Webquests
   Theorie und Praxis

·  Sprechstunden

·  Wichtiger Hinweis!

Allgemeine Hinweise zu(m)
·  Referaten
·  Hausarbeiten
·  Zulassungsarbeiten
·  mündlichen Staatsexamen

WS 2011/12
·  Einführungsseminar Sprachdidaktik (RS)
·  Einführungsseminar Literatur- und Mediendidaktik (RS)
·  Proseminar Werbung
·  Proseminar Schreibdidaktik
·  Übungen

SoSe 2012
·  Begleitseminare Kurs A und B
·  Proseminar Grammatikunterricht
·  Proseminar Filmsprache am Beispiel dok. Formate

Hauptmenü
· Home
· Registrieren
· Anmelden
· Mitgliederliste

· Suche
· Kontakt
· Impressum

Skripts: Der Strukturbegriff in der Geschichtswissenschaft
Eingestellt von Wolfgang Melchior am 07. 02. 2002 (815 mal gelesen)
Thema Arbeiten in der Geschichte
Arbeiten in der Geschichte Wolfgang Melchior schreibt:
Der Strukturbegriff in der Geschichtswissenschaft:
STRUKTUR ODER PERSÖNLICHKEIT


1.) Kocka
2.) Groh
2.) Pitz
4.) Kosselleck




Kocka:

1. Themenabgrenzung

1.1. Arbeitsteilung von Sozial- und Wirtschaftsgeschichte zu Politikgeschichte

1.2. Struktur oder Persönlichkeit: ananlytische oder hermeneutische Fragestellungen -- Positivismusstreit

1.3. Sozialgeschichte als Gesamtgeschichte oder Sektorgeschichte



2. Themenrelevanz

2.1. wissenschaftliches Selbstverständnis ist entscheidend für Methoden und Hilfsmittel und damit für die Auswahl relevanter Themen und Problemstellungen

2.2. Zusammenhang mit der "Selbstauslegung der Gegenwart": bestimmte Methoden gelten als politisch korrekt und progressiv

2.3. Begriff der Politikgeschichte
In Verbindung mit einer "ideologischen Hochschätzung des Staates als des Allgemeinen"

Manko: stammt aus Zeiten, in denen Staat und Gesellschaft nicht praktisch geschieden waren

theoretisch: Koppelung an den Historismus: idealistischer Handlungsbegriff

sachlich: Quellenlage "wie aus Geschäften Geschichte wird" (Droysen)

Deskription vor Erklärung, vesrtehende Interpretation vor systematischer Analyse


2.4. Widerspruch:

- durch Auseinanderfallen vonn Staat und Gesellschaft

- relative Autonomie des ökonomischen Prozesses

Gesellschaft meinte:

einmal die Differenz von Familie (Einheit) und Staat

zum anderen die Kategorie einer Totalität von Geschichtsmächtigkeit im Sinne ihrer dialektischen Dominanz

Neue Situation der Politikgeschichte:

Inkaufnahme ihrer Beschränktheit durch Zuweisung der staatlichen Sphäre auf eine Teilgebiet

oder Festhalten am alten Paradigma

Entwicklung: zweite Alternative und "großer Verdrängungsprozeß"



Zwei Tendenzen:

1. Sozialgeschichte als Sektorwissenschaft:

- Objekt: nicht-politische Verbände

- Historische Schule der Nationalökonomie

- Kulturgeschichte

- Alltagsgeschichte

- Arbeitergeschichte

2. Sozialgeschichte als Gesamtgeschichte

Synthese diachron und synchron, Integration vieler Teilphänomene hist. Realität

- als Kulturgeschichte

- als Volksgeschichte (ethnische Geschichte)

sozialpsychologische wie sozioökonom. Dimensionen

- als Geschichte der Menschheit als soziales Wesen unter Einbeziehung des Staates

Individualgeschichte oder Kollektivgeschichte

Handlungs- oder Zustandsgeschichte wurde analog zur Unterscheidung

Politik- oder Kultur/Sozialgeschichte gesehen




3. Vier Ursachen des Paradigmenwechsels

3.1. Faschismuserfahrung und die Diskreditierung nationalstaatlicher Orientierungen

3.2. Aufkommen sytematischer Wissenschaften: Soziologie und Politologie

3.3. Einfluß angloamerikanischer History

3.4. Frankfurter Schule/Reformfreudigkeit: Traditionskritik als politische Kritik des Bestehenden




4. Strukturgeschichte

Braudels Mittelmeerbuch und der Begriff der histoire des structures mit folgenden Zielen

4.1. Totalität geschichtl. Wirklichkeit

4.2. Verhältnisse und Zustände, überindividuelle Prozesse

Ziel der Forschung ist nicht ein hermeneutisches Erschließen von Sinn, sondern Deskription und Explikation

4.3. Holismus: Geschichte als Prozeß ganzheitlicher Entitäten

Verfahrensweisen: Typisierung, Generalisierung


EREIGNIS:
- als Sinneinheit individuell erfahrbar
- chronologisch-kausal: realzeitliches Vorher und Nachher
- strukturell unterdeterminiert

STRUKTUR:
- nicht notwendig als Sinneinheit erfahrbar
- Überindividuell
- kein chronologisches Kausale
- nicht erzählbar (wenn erzählbar heißt:

Struktur ist der Raum möglicher Ereignisse, der unabdingbar
für eine Zuordnung von Ereignissen ist

Primat der Strukturgeschichte: sie ist eher möglich als Ereignisgeschichte

Altes Materialismusproblem:
- Umstände bestimmen Menschen wie Menschen die Umstände bestimmen
- Prozesse werden durch sinnorientierte Handlungen von Menschen vermittelt, wenn auch nicht intendiert und bewußt

--- Veränderungsaspekt geht flöten (Gehlens Sachzwanghaftigkeit)
Handlungsproblem



Modell:
Erklärung Rest: Verstehen und Erzählen
| ^

| |

v |

nur strukturell erfaßbar---- Raum möglicher Ereignisse/strukturelle Kopplungen

Quellenarbeit + zusätzliche analytische Anstrengungen

Ubiquität von Strukturen -- Formalität


Zwei Ansprüche:
1. Integrale Geschichtsbetrachtung mit inhaltlichen Kategorien, die Auswahl der Faktoren liefert -- Hypothesen.
Eine Addition von Strukturen reicht nicht aus

2. keine Sektorierung, da sie der Segmentierung des Gegenstands nicht entspreche

kein Begriffshistorismus

Problem: Anwendung von sachfremden Kategorien, also Verwendung für gegenwartstypischen Strukturen, die für den Gegenstand nicht zutreffen


5. Sozialgeschichte als Sektorgeschichte

Themen: Arbeiterschaft, Unternehmensgeschicht Industrialisierung als Kern

trotzdem: heterogenität der Gegenstände


Zwei Tendenzen zur Veränderung:
1. Theorieorinetierung entfaltet zentrifugale Tendenzen -- Desintegration durch theoriedeterminierte Spezialisierung

2. Eindringen sozialgeschichtlicher Elemente in die allgemeine Geschichte: strukturgeschichtliche Ergänzung der Politikgeschichte

damit entfällt das Abgrenzungsmerkmal von sektorieller Sozialgeschichte



6. Sozialgschichte als Gesellschaftsgeschichte

Wünschbarkeit umgreifender Synthesen

Holismus: eine Vorstellung vom Ganzen ist Voraussetzung für eine angemessene Erfassung von Teilbereichen

Ziel: Aufklärung und Sinnverständnis der Gegenwart

Synthesen sind nicht Additionen von Teilstrukturen oder Struktur nicht Addition von Ereignisssen

Erfordernisse der Theorie: inhaltsbezogen, liefern funktionale und kausale Zusammenhänge

Geschichtliche Wirklichkeit := System (=Gesellschaft im weiteren Sinn) von Teilsystemen, in dem ein Teilsystem der Gesellschaft (im engeren Sinn) als aozioökonomische Kategorie eine bestimmende Rolle spielt

Gesellschaft: bürgerliche Gesellschaft und dem Paradigmenwechsel durch Ökonomisierung des Lebens

Notwendigkeit perspektivischer Selektion, keine monokausale Beziehungen

Fünf Aufgaben:

1. Abgrenzungskriterium der Wissenschaftsgegenstands und Selektion des Quellenmaterials

2. Liefern überprüfbarer Hypothesen in synchroner wie diachroner Hinsicht, Vermittlungen zwischen Teilbereichen

3. Rahmen für eine Periodisierung

4. Diachrone wie synchrone Vergleiche: Identität , Ähnlichkeit und Differenz, funktionale und kausale Identität

5. Vereinbarkeit mit spezielleren Theorien

Kandidaten:
1. Historisch.matrerialistischer Ansatz
2. Rosenbergsche Lange-Wellen-Ansatz
3. Historisch-komparative Moderniesierungstheorien: schichten- oder klassenhistorischer Ansatz
Was ein solcher Ansatz jetzt schon zu lösen versteht:
1. Schließen von sozialgeschichtl. Forschungslücken (hierzulande): Zwichenbereiche von Ökonomie und Gesellschaft

2. Vermittlung zwischen verschiedenen, sich in Teildisziplinen differenzierenden Kategorien


Das Rekurrente dieses Integrationsprozesses stellt sich immer wieder neu!



Gegenwart - Zukunft - Geschichte

Das Expertensystem als Mustererkennungsprozeß

Strukturen als geschlossenen Systeme oder offene Systeme: Statik und Wandel!





Strukturgeschichte


formal, analytisch inhaltlich, synthetisch

Atomismus, deduktiv Holismus, induktiv, Mustererkennend

mit Strukturkern: nicht Personen, sondern systematische
Kategorien


Mittellage der Geschichtswissenschaft

Philosophie: Sinn empirische Wissenschaft:

Quellen:

Tradition Überreste

ontologisches Problem





Groh (siehe Paper+Skript)



Christian Meyer:

Impuls=Teil einer an einem Prozeß mitwirkenden Handlung

Beteiligung:

- "nicht viele"

- "nicht notwendig auf Veränderung gerichtet", sondern auch Reproduktion. In diesem Sinne: Institutionen

- ungerichtet, bzw. nicht notwendig gerichtet

- Holismus: Einebnung vieler Impulse in ein Sinnganzes


Typus eines Prozesses heute:

Eigendynamik:

Verschwinden von Einflußdifferentialen, Interdependenz, Reziprozizät und Multipluralität

Prozesse im Sinne aggregierter "Vorgänge"

Automismus

Naturwüchsigkeit eines Prozesses nach Marx:

- Voraussetzungen nicht nur Entstehungsursachen, sonder auch

- eine "vom Wollen und Laufen der Menschen unabhängige" über ihnen stehende fremde Macht

Elias?Prozeßbegriff: Figurationen, statt Aktionsbegriffe Funktionsbegriffe

Autonomie wird verschoben auf einen Bereich überpersönlicher Entitäten

Gesellschaft ist ein Funktionszusammenhang, der eine relative Autonomie gegenüber den Intentionen der sie bildenden Individuen aufweist

Rede über Prozesse - zwei Kerne:

1.) Beschreibung von Abläufen kausalfrei, etwa im Sinne kontingenter Ereignisfolgen

2.) Strukturierte Funktionszusammenhänge, die eine relative Autonomie gegenüber den Mitgliedern aufweisen


Handlungskonnexe:

Handlungswirkung wird bestimmt durch Konstellationen (Umstände), welche auch die Nebenwirkungen bestimmt vs. Impulsaggregat

Handlungen können vereinzelt als auch prozessual einegbunden sein

Grundtypen:

Handlung (a) und autonomer Prozeß (b)

verbunden mit feedback

ad (b)

1. Beispiel: Motorisierung

Prozeß ruft eigene Bedürfnissse hervor, die ihn beschleunigen, obwohl nicht nur, nicht immer gewollt werden

Randbedingungen werden stabilisiert

Heute: Pluralität der Richtungen eines Prozesses

beschränkt auf Handlungen von "massenhaften, durchschnittlichen, repetitivem Charakter" (Tenbruck) damit wären audgeschlossen: herausragende Handlungen von Politikern

JEDOCH: auch herausragende Ereignisse können Prozeßcharakter besitzen

2. Beispiel: Zusammenbruch der römischen Republik als autonomer politischer Prozeß

obwohl nicht im Interesse derBeteiligten, machten sie alles, um die Auflösng des republikanischen Gemeinwesens voranzutreiben

Korruption -- Ausbeutung der Provinzen --- mehr Korruption

Widersprüche werden nicht zum Gegenstand der Politik, da die Kräfte, die politisch tätig sind (Adel, Ritter) nicht den Widerspruch zu dem formulieren können, der droht: Bürgertum

Verantwortung und Schwäche des Senats als Strukturmerkmal: je mehr Erwartungsdruck desto höher der Ansehensverlust der Republik

immanente Figurationsdynamik: die Rettung der Republik erforderte ihre Auflösung durch einzelne Persönlichkeiten Beiweisziel: 2. Beispiel

- erfodert wesentl. mehr Handlungsaufwand

- motivisch dichter

- ungerichteter: nur Wahrscheinlichkeiten

daher: auch hochgradig motivgeladene, von einzelenen abhängige Prozesse können autonom sein.

GEMEINSAMKEIT: Menschen nehmen Interessen wahr, handeln opportun und treiben einen Prozeß voran.

Wandel: polit. Kapazität reicht nicht aus, um sich verändernde und sie selbst verändernde Konstellationen selbst zum Gegenstand politischer Entscheidung zu machen,d.h. wenn sie nicht genügend Macht versammelt.

kumulativer Effekt: Umschlagen von Handlungssummen in eine Eugendynamik mit kontingenten Ausgangsbedingungen

Handlungen schaffen die Konstellationen immer wieder neu, die sie selbst zum Handeln angetrieben haben (vg. Marx: Bedingung und Resultat)

Abschleifung der Kontingenz


Unabhängigkewit von Intentionen: das entscheidende des autonomen Prozesse ist die Nebenwirkung der Handlungen


Das EREIGNIS:

- etwas Herausragendes, Außergewöhnliches

- etwas Kontingentes

- Knotenpunkte des historischen Geschens (historical vs. historic)

Ereignisse resultieren aus einem Gegeneinander verschiednener Impulse

dagegen autonome Prozesse: Integration von Impulsen zu einem Ganzen über lange Zeit hinweg

Entscheidung liegt "in ihrer Mitte", nicht außerhalb

die Handelnden sind nicht Medien, sondern Akteure

kontingente Bedingungen sind zentral, nicht nur für Entstehung und Erhalt wichtig

Modalität der Impulse




Pitz (siehe Paper)





Koselleck

1. Ereignis:

- naturale Chronologie mit einer "Schwelle der Zerkjleinerung" (Atomismus)

- Minimum aus Vorher und Nachher

Konsistenz durch Zeitfolge

Bedeutungsblindheit der naturalen Chronologie

2. Struktur:

Rest: das, was nicht in der Folge erfahrbarer Ereignisse aufgeht

neue Kategorien: relative Dauer, Langfristigkeit, Epochalität

"Während Ereignisse von bestimmten Subjekten ausgelöst und erlitten werden, sind Strukturen asl soclhe überindividuell und intersubjektiv"

Empirische Einlösbarkeit von Strukturen: möglich, daß Strukturen zu hsitorischer Alltagserfahrung gehör(t)en.

3. Wesentlich: zeitliche Erstreckung

Ereignis als Voraussetzung strukturaler Aussagen

Problem: der Erzählcharakter von Ereignisgeschichte setzt einen Sinn voraus

Je strenger die Struktur, desto weniger ihr chronologischer Konnex

Aber: Dauer kann zum Ereignis werden -- Prozeßkategorie

Aporie zwischen beiden liegt in der Dauer

Novität des Ereignisses (=strukturelle Unterdeterminiertheit) vs. Konstanz der Struktur

4. Erkenntnistheoretische Relation

Wirklichkeit ist vergangen, d.h. ex post-Faktizität

Strukturen sind so konkret/abstrakt bzw. wirklich/fiktiv wie Ereignisse

Fiktionalität der Ereignisse analog zu hypothetischer Charakter der Strukturen

Begriffe und Einzelding: Begriffe weisen über das Singuläre hinaus

Begriff selbst birgt das Überformende, Allgemeine, Widerholbare

5. Historia magistra vitae

Geschichte belehrt über die mögliche Zukunft ohne sie zu prognostizieren

Das betrifft den modalen Charakter von Strukturen

Neuartigkeit von Strukturen verlangt auch dei Neuartigkeit der Geschichtsschreibung

Zwei Tendenzen:

- einmal die Akzeleration des Fortschritts -- Verkürzung von Erfahrungshorizonten

+ Singularität der Ereignisse

- zum anderen: Neuartigkeit der Struktur als ganzer (Strukturwandel ist die dauernde Novität jedes Ereignisses)

vergleiche soziologische Unterscheidung zwischen traditionellen und modernen Gesellschaften

Determinismus vs. Willenfreiheit
Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

Skripts: DER NATURALISMUS - DAS NATURALISTISCHE DRAMA
Eingestellt von Wolfgang Melchior am 07. 02. 2002 (3725 mal gelesen)
Thema Arbeiten in der Germanistik
Arbeiten in der Germanistik Wolfgang Melchior schreibt:

DER NATURALISMUS - DAS NATURALISTISCHE DRAMA


Vorbemerkungen:

ästhetische Kategorie oder historische Epoche?

naturalistische Stilmittel und Stoffe

Epochenbezeichnung: Jüngstes Deutschland, Sturm und Drang

Universelle Verwendbarkeit des Holzschen Kunstgesetzes

Naturbegriff

Unterschied: Radikalität des Realismus


Historische Wurzeln:

Abkehr vom Wilhelmismus und Nietzscheanischem Teutonimus:

Tragik, Einzelschicksal, die großen Kämpfe (Wagnerianismus) Brüder: Hart: "deutsch und modern", Antihellenismus

Übergang: Deutsch und völkisch: keine Kunst fürs Gelehrtentum, sondern fürs Volk (gebildeter Arbeiter: Loth!)

- Thematisierung der Kluft zwischen Proletariat und Neureichen (Hoffmann)

- Thematiserung des Elends (Familie Selicke): materielle Seite und moralische Seite (Alkoholismus: Familie Selicke, Vor Sonnenaufgang)

- Neue Kohäsionen: Auflösung von Gruppenbindungen (Hoffmann und Loth)

Kunstgestzlich:

- wider die Schöngeisterei: Befreiung von den bürgerlichen Werten wie Familie, Ehe, nicht Entgegegnsetzung eines hellenistischen Ideals, sondern durch schonungslose Demonstration ihrer Schwäche (Friedensfest: FamilienKatastrophe, Nora): Leiden, Unterdrückung, Antihumanität -- Morscheit der Gesellschaft

Familie: Hort des Rückzug vom dem öffentlichen Leben in die Privatheit, wo die konservativen Werte weiterdümpeln -- Verlegenheitsidealismus: Ablehnung dekadenter Ideale

Zola: l?homme m?taphysique est mort tout notre terrain se transforme avec l?homme physiologique"

keine antibürgerliche, atheistische Bewegung: Christus als erster Sozialist (Holz), Feuerbachscher Psychologismus der Theologie

"Trugbilder der Unsterblichkeit" schon im Realismus (Keller)

Unterschied Realismus und Naturalismus:

Naturschöne als Gottesersatz , Optimismus, humanistischer Idealismus(Tragik und Fehlen wird positiv als Bewahrung von Freiheit umgedeutet)-- Menschlichkeit selbst wird ästhetisch, Pessimismus: Tragik ist schicksalhaft und unentrinnbar (Familie Selicke)

Neue Kategorien: Normalität vs. Extraordinarität

Adornosch: Das Allgemeine im Nichtidentischen aufspüren

Freiheit und Determination

Krisenerscheinung/Umwälzung auch in der Kunst

- Sozialismus: Milieudetermination

- Historismus: historisch determiniert

- Darwinismus: genetisch determiniert

- Beeinflußung durch ausländische Autoren (Zola, Ibsen, Björnsen)

1. Materialimus:

- kollektiv: klassenzugehörigkeit

- biologisch: Willen, Triebe

- mileudeterminiert

2. Nietzsche:

"Enthüllungspsycholgie" dekandenter Werte ("psychologischen Seziertisch")

3. Darwinismus:(wie Naturwissenschaften überhaupt):

Ärzte, Biologen

Thematisch: Vererbungsgedanke (Gespenster: Krankheit, Alkoholismus, Bild Häckels und Darwins in "Einsame Menschen"),

- moralische Umdeutung von Krankheit; Erbsünde -- vererbeten Krankheit

- Gott wird zum Zufall

- Kampf ums Dasein: Verlorene sind nicht mehjr nur Individuen, sondern Klassen von Individuen; die bloße Zugehörigkeit verdammt den einzelnen (Alte Hilse)

4. Brüchigkeit der Religion:

Nietzsche und die naturwissenschaftliche Methode (Seziertischmetapher, Sekundenstil Holzens)

Pastor Manders und die Heuchelei der Sklavenmoral

5. Positivismus:

Comtes Dreistadientheorie

a) theologische: Fetsichdienst

b) metaphysische: Idealistische Erklärungen; Abstraktionen, Warum-Frage

c) positivistische: Wie-Frage, Beschränkungen auf Wirkungen: Beobschtung und Klassifikation von Dingen unabhängig von ihren Ursachen

Theorie der Wissenschaften: Naturwissenschaften, dann Soziualwissenschaften, Forderung einer "Sozialphysik" mit individualistischem Atomismus -- neuer Begriff: Soziologie

Mensch als



quantitaives Ding unter Vielen

6.) Taine: Taines Positivismus und seine drei Determinanten des Menschlichen: race, milieu, temp -- Begründer der Milieutheorie


Grundzug des Naturalismus: Der Kunst das Spekulative, Metaphysische und Gelehrte zu nehmen.

Direkte Bezugnahme und Einbeziehung naturwissenschaftlicher Verfahrensweisen in die Ästhetik: Sekundenstil, Milieubeschreibung, Dialekt, Szenendetailierung


6. Motive:

a) Der Fremde als Konstruktionsprinzip: Rückkehr aus der Fremde oder Einkehr des Fremden

- vorantreibendes Handlungselement

- episches Ich, durch welches der Autor die Fäden in der Hand behält (in der Regel wird eine statische, eingespielte, hermetisch-geschlossene Ordnung vorgestellt, die durch den Fremden dynamisiert wird)

b) Heimkehrer

c) der einzelne als Objekt (Verobjektivierung des Willens): Schicksal, Klassenzugehörigkeit, Milieudetermination

d)


Soziales Handeln

soziale Handlungssituation ist intentional unterbestimmt

Bezug durch

Folge-Zweck-Differenz

Erwartbarkeit: aufgrund von implizit anerkannter Normen

Bestimmungsgründe sozialen Handelns (nach Weber):

- zweckrational: Erwartungsnutzen

- wertrational: intrinsischer Eigenwert

- affektuell

- traditional. durch Gewohnheit

als funktionale Alternativen

Regulativer Charakter von Normen

Marx: Einbettung "in die Formen des gesellschaftl. Zusammenhangs"

so: Zwecke (Inhalt der Handlungsorientierung)

Gesellschaftliche Normen und Zwecke sind unabhängig vom individuellen Handeln gesetzt als Handlungsorientierung = Rahmenbedingungen und Mittel

dagegen: Anerkennung dieser ist ist ein bewußter Akt

Soziales Drama:

sozialer Hintergrund ist Voraussetzung für Stoff und Gehalt

- nicht ewig-menschliche Bezüge, sondern konkret-soziale

- notwendiger Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Verhältnissen und Charakteren und Handlungen: nicht Familienmitglieder per se als anthropologisches Moment, sondern Familie einer bestimmter Klasse

Der Begriff des Bürgerlichen: als antagonistischen Klassenbegriff gegen den Adel (Lukacs ) oder als Begriff des Privaten

Soziales Drama versus politisches Drama: = Bestimmtheit durch gesellschaftliche Klassenverhältnisse versus Auseinandersetzumng des einzelnen mit staatlicher herrschaft

Diesseitigkeit: Personal führt zur Aufhebung der Ständeklausel als

- Enttabuiersierung

- Bürgerschreck

- Intime Vertrautheit der Naturalisten


der Naturalismus wendet das bürgerliche Schema des "Bürgerlichen" auf dies selbst an.

aber: der soziale Charakter des Dramas wird nicht durch die Charaktere, sondern ihr gegenseitiges Verhalten bestimmt, welches das Problem formuliert

-- das Soziale ist kein Moment der Person, sondern ihrer

- materiellen Verhältnisse, die

- sich in ihrem gegenseitigem Verhältnis wiederspiegeln

Problem des Verhältnisses zwischen einzelnem und Gesellschaft: konkret durch Milieu

Bis: Verlust von Handlungsbewußtsein, und Handlungskontrolle

Bedingungen von Handlungen, die

- über Intentionen hinausgehen

- in sie konkret einfließen

- oder sie dominieren (Determinismus)




Die Dramen (Analysen)


Typen:

- Künstlerdramen (Michael Kramer, Kollege Crampton)

- Schicksals- und Familiendramen (Gespenster, Viertes Gebot)

Familie Selicke

-Kleinbürgermilieu

- Alkoholismus

- Weihnachtsabend

- Familie- und Ehekatatsrophe

- Hermetik: Geschlossener Raum durch alle Szenen hindurch

Stil: Sekundenstil: jede Szene steht für sich, ist durch Regieanweisungen geregelt


Die Ehre (Hermann Sudermann):

Heimkehrer, der dem Milieu entwachsen ist und nicht mehr zurückfindet (Entwurzelungsgedanke): Vorderhaus vs. Hinterhaus

Nora

Ehedrama

Wildente


Familiendrama

Hjalmar zwischen Lebenslüge (Relling) und jungem Werle ("ideale Forderung")

Geheimnisträger: Alter Werle und Junger Werle

Vergangenheit: Hedwig ist uneheliches Kind von Gina und Altem Werle

erst der Fremde (junger Werle) löst den dynamischen Prozeß aus.

typischstes analytisches Drama


Die Gespenster

Zentraler Topos: Selbstverwirklichung (pursuit of happiness) vs. Pflichterfüllung

Schicksal:

- "nicht nur, was wir von Vater und Mutter geerbt haben" (Alving)

- sondern "was man früher einmal gedacht und geglaubt hat" (vergangenen Werte)

also: Vererbung und tarditionelle, veraltete Normen (klassische Tragödie)

Problem der Heuchelei

Der Fremde Osvald

Schicksalsdrama und analytische Technik

Familiendrama:

Die Gegenwärtigkeit des Toten: "Von übermorgen ab soll es für mich sein, als ob der Tote nie in diesem gelebt hätte."

Leitmotivtechnik: Umfallende Stühle, klirrende Glas als Erinnerung an die Gespenster (Toten)

Oswald: "Die Sünden der Väter werden heimgesucht an den Kindern" Selbstinterpretation seiner Syphilis, an der auch sein Vater starb

Krankheit: vererbt oder in Paris zugezogen (Milieu)

Oswalds freie Liebe vs. Ehetyrannei der Frau Alving

Liebe des Jugendfreundes Manders vs. Liebe des Kammerherrn Alvings

Neigungs vs. Pflichtheirat

Pflicht ist das ewige Vernunftprinzip: Ehe geht auf Ewigkeit, nicht auf Glück (Manders)

Der Geist des Aufruhrs ist nach Glück zu verlangen (Manders)

Gegenprinzip zur Sklavenmoral Manders ist Oswald: "Lebensfreude", Arbeitsfreude", Dynamik (Weggehen)

Öffentlicher Skandal vs. privates Schicksal

Manders:

Der Hüter der Sklavenmoral

(siehe Paper)


Macht der Finsternis (Tolstoj)

Bauerntragödie

"Ist die Kralle hängengeblieben, muß das Vögelchen zugrundegehen"

Lügengeflecht Nikitas

Macht der Finsternis: Geldgier

Krtitik am Einfluß städtischer Zivilisation auf das ländliche Leben

Ideal: ländliche Ursprünglichkeit



John Gabriel Borkmann

(siehe unter Begriffsklärungen, Stichwort: analytisches Drama)


Meister Ölze (J. Schlaf)

Handwerker zum Mörder geworden, von der Stiefschwester - erfolglos - bedrängt, ein Geständnis abzugeben.

- Milieuschilderung

- Enthüllungsthematik ("Intimes Drama"): "eigentlicher Schauplatz des Dramas ist die vierte Dimension"


Das Friedensfest

Eine Familienkatastrophe

Patenstück: Die Gespenster

Typus: Schicksalsdrama

Antithese:

Friedensfest und Familienkatastrophe

Familiendarwinismus: Krieg aller gegen alle als absolute Antithetik

Weihnachtsfeier als Topos bürgerlicher Morschheit in:

- Reinhard Voß "Alexandra"

- Schaaf- Holz "Familie Selicke"

Vorgestellt wird eine Irrenanstalt, in der jeder abwechselnd sich zum Pfleger aufschwingt, um wieder in seinen Wahn zu verfallen -- Beschränktkheit der Charaktere

1. Krankheit:

- Kopfschmerzen,

- Verfolgungswahn Wilhelms und des Ehepaars Scholz ("Ihr habt euch alle gegen mich verschworen" (Fr. Scholz); "Ihr versteht mich nicht" (Dr. Scholz)) , Sarkastsiche Abartigkeit Roberts

- allg.: Psychopatholgie des Alltags

2. Personenkontellationen:

Die Fremden (Frau Buchner, Ida), die Familie (Frau Scholz, Auguste), die Heimkehrer (Dr. Scholz, Robert, Wilhelm)

Auflösung der Familie, die de facto gar nicht besteht: Dr. Scholz akzeptiert nur Fremde

die Ehe ist entfremdet: das Nicht-Passen wird als Bildungsunterschied, Milieuunterschied und Altersunterschied (16, 40) beschrieben (Frau Scholz kommt aus bescheidenen Verhältnissen)

ABER: Vereinzelung aller treibt sie gerade wieder in den Familienzusammenhang zurück

3. Vererbung und Milieu

Robert: "Produkt der Narrheit des Vaters", "von Grund auf verpfuscht"


Wilhelm: "von Kindheit an ein Taugenichts"

Internaliserung der Erziehung: "Ich werd ihm zeigen, was ein Taugenichts kann"

Auflehnung gegen den Vater, ist die Auflehnung gegen eine vergegenwärtigte Vergangenheit

aber auch: Vererbung als Willkürschicksal; das Hereinbrechen der Katastrophe (während des Spielens von "Alle Kinderlein kommet ..zum heiligen Vater") geschieht unmerklich und wieder sprachlos.

4. Zeit:

Vergangenheit: die eigentliche Handlung ist bereits vergangen (Schlagen des Vaters, die Erziehung, die Heirat, die Verlobung)

Frage: warum mußte die Ehe unglücklich sein?

Sühne = Befreiung von einer unverstandenen Vergangenheit

4. Inkonsistenz und Schicksal

Robert: Vater ist schuld und Wilhelm Auflehnung ist schuldig

-- Heuchelei

Motivierung der Katastrophe bleibt dunkel

5. Christliche Moral:

"Auf Schuld folgt Sühne, auf

Die letzte Frage Augustes: "Wer ist Schuld?"

Versöhnung findet sprachlos statt: Ist Friede nur in sprachlosen Dimensionen möglich oder zeugt dies von der Sprachlosigkeit der Charaktere?

5. Ehedrama:

Vater: Tyrann und unverstanden, Sonderling, Kind, will "Verständnis", weltmännisch? (kommt zurück und will den Mazze spielen, legt sich aber gleich ins Bett, auch: Szene: Robert oder ich), Idealist (Barrikadenkämpfer von 1848)

eigentlichen Konflikte bleiben abstrakt und unvollkommen

Buchner: "Im Dienste einer höheren Sache"

Willen, Hoffnung, Liebe sind zu schwach gegenüber Schicksal, Verzweiflung, Haß

Charakterisierung der personae

Zitate:

- Frau Buchner: "hochmodern und geschmacklos"

- Ida: "stillvergnügtes, eine verschleierte Heiterkeit und Glückszuversicht"

- "vergangene Zeiten" (Fr. Scholz)

- Rührung beim Angedenken an die "Anfangszeiten" (Buchner)

- "[Wilhelm] leidet an der Erinnerung furchtbar"

- Ehe: "keiner hat sich da reinzumischen"

- "Ja, es sind Klüfte" (Selbsstilisierung)

- Wille vs. "man mag hundertmal wollen, und es bleibt doch alles beim Alten" oder: "der Wille ist ein Strohalm"

- Taugenichts oder selfmademan?

- Hoffnung vs. "nichts verreden"

- Frau Scholz zu ihrem Mann: "Was hast du mir für Kummer gemacht, die ganze Zeit" (obwohl sie ihn gar nicht gesehen hat!)

- "Auf Schuld folgt Sühne, auf Sünde folgt Strafe" (Dr. Scholz)

- "Schickung" (poistiv; Fr. Buchner)

- Auguste zum Wiederkommen des Vaters: "Als wenn ein Toter nach Jahren wieder aufsteht. Ich hab Angst. Mama"

- Robert (selbsreflexiv), aber Martyrernimbus: höchste Selbststilisierung und Selbstgerechtigkeit, spielt nur Komödie, ist ihm bitterernst!, von anderen: Maske bitte ablegen! Robert: "Weihanchten,...nichts als eine plumpe Lüge"

- Fr. Buhcner: "..im Dienste einer bestimmten Sache" (Vorgeschichte ist doppelt: die Friedensarbeit Fr. Buchners und der Familienfluch)

- Robert: "sich auf seine eigene Art zu vergnügen" (auch auf Kosten anderer: Wurschtigkeit)

- Rückzug der Nitzsches (!)

- Stilisierung des Wilhelminischen Kampfes durch Fr. Buchner: er hat einen großen Kampg gekämpft,...mit dem heißen Wunsch nach Aussöhnung" (obwohl sie die "Fehlung" Wilhelm gar nicht kennt, welche er erst später erzählt) -- Lügenzusammenhang

- "Sie müssen sich vor ihrem Vater erniedrigen, erst dann können sie sich wieder frei fühlen" (Fr. Buchner) = Motto des Stücks, da deswegen die Aussöhnung auch nicht funktionieren kann: nur selbstbsetimmte, freie Mesnchen können Frieden wagen

- Psychologismus: Wilhelm (auf die Siirn deutend). "Da ist kein Stillstand! Schicksale in Sekunden! Mich selbst fürcht?ich! Vor sich selbst auf der Flucht sein: kannst du dir davon einen Begriff machen?"

- "Ich sehe auf einmal wieder Zweck und Ziel. Ich bin ganz konfus" (Wilhelm)

- "Alles ist geworden"

- Wilhelm Deklaratorisch: "Und nun ist Friede" (innerer Friede, Nachlassen des Wahns)

-
Erschlafen, Aufwachen (Ida über Wilhelms Aktionismus)

- Das Geschenk stammt vom toten Vater Idas

- zum "O Kinderlein kommet": "Blasphemie", "Teufel"

- Scholz ist der Herr im Haus und geht und stirbt! : "Nicht schlagen! Nicht - wieder - schlagen" (Traumatopos).

- "Jeder Mensch ist ein neuer Mensch" (Robert zu Wilhelm: "Aber du mit Vater") vs. "man muß nicht Dinge leisten wollenn, die man seiner Naturanlage nach nun mal nicht leisten kann" (Wilhelm)

- "Fleischgewordene Widerspruch" (Robert zu Wilhelm)

- Robert: Flucht

Das Liebesverhältnis: Ida Reinheit soll Wilhelm reinigen (vgl. Helenes Wunsch durch Loth befreit zu werden)

Ida hat Vertrauen, Wilhelm ist fatalistisch.


Vor Sonnenaufgang:

1. Zeitgenössische Kritik: Handlung ist Null, roh, banal, , gemein

Drama in der Nachfolge Ibsens


2. Das Stück in sozialer Dimension:

- Nennt die Paupersierung der Arbeiter zugunsten der Bauern und Neureichen ("moderner Luxus auf bäuerischer Dürftigkeit")

- Arbeiterlelend nur peripher: Helenes Furcht vor den Bergleuten, Loths "Verkehrtheiten", Arbeiterklasse wird selbst nicht thematisiert, sondern ist nur der Rahmen -- Loths eigentlicher Bezugspunkt sind nicht die Arbeiter, sondern die Familie Krause


3.Der Fremde als Motiv und Handlungsmoment:

- Enthüllung gegenüber Loth ist die Entwicklungsgedanke des Dramas

Loth als Katalysator oder treibendes Moment?

er ist nicht bloßer Spiegel der Verhältnisse, sondern auch auch dramatisch eigenständig

funktionale Rolle --


4. Ökonomische Verhältnisse und Vererbung

Thema: Sozialisierung der Vererbung, ungesellschaftlich-biologistische Auffassung (keine klassenmäßige, soziale Dimension)

Vererbung ist nur möglich in einem bestimmten Milieu; deswegen will Helene weg und deswegen flieht Loth auch

Herrenhut: Ort des Geistvollen-Alkoholfreien

Milieu: dekandent, neureich, ehehbrecherisch, verfallen, morsch

dagegen die Fremden: Helene (aufgewachsen in Herrenhut) und Loth


5. VS - eine Liebestragödie, Loth und Helene?

Gegenseitiges Interesse:

Helene: Selbstbezüglichkeit, interessenloses Bildungsideal, Loth als Rettungsanker

Selbstbeschränkung

Loth: unschuldiges Wesen

Komplementarität zwischen Loth und Helene (Dialogstruktur in der Scheune)


Loth: Verkehrtheit des Milieus Grund Sollen/Veränderung der Verhältnisse

Helene: Geistlosigkeit des Milieus Faktum Wollen/Flucht vor den Verhältnissen

Loth: Glück aller Politik positives Ideal

Helene: Eigenes Glück Moralkritik negatives Ideal


6. Wissensbegriffe im Unterschied:

Loth Hoffmann Helene

Aufklärungsideal. Wissen, um Praktisches Wissen Wissen als Kontrapunkt zum Milieu ("Medizin")

zu beglücken

Helene will Superiorität, Loth will Aufklärung und Befreiung, Hoffmann Nutzen


7. Veranlagung und Moral

Loth über sich: "kein Verdienst, ich bin eben so veranlagt"


Selbstbeschränkung Helenes in Handlungsalternativen: Freiwillige Abhängigkeit

Mechanik von Determination erzeugt Fatalität:

- Milieu -- Geistlosigkeit und Öde

- Selbstbeschränkung

- Vererbung erworbener Eigenschaften

Das Soziale ist detreministisch über die Verebung von Verfallserscheinungen, für die Dekadenz und die Verkehrtheit der Verhältnisse der Spiegel sind.


Die Vereinzelung durch den Alkoholismus

Entzug dem zwischen menschlichen Bezug durch das Laster

Wirklichkeit wird als Schicksal, als erratischer Block von unentrinnbaren Gegebenheiten gesehen.

- Freundschaft vs. Geschäftssinn: Mißtrauen Hoffmanns, als er von den Plänen Loths erfährt

- Hoffmann, Loth und Schimmelpfennig: Neureichen gegen gebildeten Proletarier: Pragmatismus ("praktisch, praktisch..muß man verfahren") und Idealist ("sine qua non", nicht Menschen, wie sie sind, sondern wie sie sein sollen; Loth über



Kampf um Rom; Vorbildfunktion)

- die Leere des Praktischen und Vorbildhaften: Loth erkennt dies in der Verkehrung, kann es aber nicht praktisch umsetzen -- doktrinär beschränkt

- Arbeiter fungieren als Bedrohung am Rande (Angst Helenes)


- Gestik Helenes, fragmentierter Stil

- Ehebruchsmotiv


Die Kunst - ihr Wesen und ihre Gesetze (Arno Holz)

(siehe unten)




Vererbung

in Vor Sonnenaufgang

- als Symbol für die Verhaftetheit der Gesellschaft an alten Moralvortsellungen (Gespenster)

- als Symbol für den Gegensatz von Individuum und Gesellschaft: Gesellschaft reproduziert sich über ihre Normen durch die Indiviuen, die ihnen verfallen zu sein scheinen

- als Symbol strenger Kausalität -- Schicksal als Determinismus oder Fehlen von Willensfreiheit -- Ohnmacht

Kerngesundheit von Loths Vorfahren vs. degenerierte Bauernmilieu (Bär, Kahl, Krause)

Dr. Schimmelpfennig als Aufklärer über die vererbungszusammenhänge

Totgeburt -- Aussterben des Bauerntum, Symbol seines moralischen Verfalls

Helene erblich belastet?: Tod weist darauf hin: die schwachen müssen sterben


in Friedensfest

Scholz ähnlich Alving: Sonderling, weitgereist, trunksüchtig

Kinder als Abbilder der Eltern

Erziehung nicht als Modifiaktion, sondern Verstärkung der Vererbung (ja vielleicht: Milieuersatz)

aber: Vererbung (Determination) verliert an Kraft, Schicksal an Bedeutung

Ida: Reinigung durch Vermischung

In Gespenstern

Darwinistisches Gleichnis (Kerr)

In Nora: Dr. Rank muß für das ausschweifende Leutnantsleben seines Vaters büßen = Oswald für Alvings Leben

a) Persönliches Schicksal:

Oswalds Tod: nicht durch eigene Schuld ("von Geburt an was Wurmstichiges")

Vater war vor seiner Geburt "ein gebrochener Mann"

auch Regine ist "bedroht": Engstad will sie als GoGoGirl in einer Seemannskneipe verdingen

Anbeorene Lebensfreude Alvings (er konnte nicht anders)

b) Gesellschaftlich-moralisches Schicksal

ausgestorbene Ideen geistern weiter in uns (Frau Alving)


Schicksal als milieumäßige und biologische Determination gesetzt gegen die Willensfreiheit (Frau Buchner)

Drei Verhalten:

- Versöhnung mit dem Schicksal: Findung

- Kampf gegen das Schicksal (Helene, Wilhelm, Frau Alving)

- Resignation (Oswald)

Es sind die schwachen Menschen, die vom Schicksal zermalmt werden, die Opfer der Sklavenmoral oder die ideologisch Gläubigen (Hedwig, Helene)


Schuld: keine externe Relation (Individuum vs. gesellschaftl. Moral), sindern ein Selbstverhältnis

Schuld ist keine moralische Eigenschaft mehr, sondern eine kausale




A Brief History of literary Naturalism


Andere Bezeichnungen der Zeitgenossen: Moderne, Jüngstes Deutschland, Sturm und Drang

Einfluß: Rußland (Tolstoj, Dostojewski), Frankreich (Zola) und Norwegen (Ibsen, Björnsen)

Das Soziale: Aufgreifen zeitgenösssicher Themen:

- Dissozierung der Familie

- die Frauenfrage

- Mechaniserung des Lebens

Liebe als Trieb, Willen als Dogmatismus

-- Entlarvungskunst

Realistenprozeß gegen Conradi, Alberti und Walloth wegen Verletzung des Schamgefühls

Sprache: Dialektal, prosaisch, umgangssprachlich, nonverbale Elemente

Realismus meinte sowohl sozialen als auch psychologischen Realismus (Stimmungsnaturalismus): begrenztes Personal, geschlossene Dramenform (inheit von Raum und Zeit)

analytische Technik und Nietzscheanischer Zeitbegriff:

Wiederkehrgedanke, Geschlossenheit, Vergangenheit wirkt unmittelbar (die absolute Nähe)

1889 Gründung der Freien Bühne durch Hauptmann, Otto Brahm und Holz und Schlaaf

Bühnengründungen: Akademisch-dramatischer Verein (München), Freie Volksbühne (Berlin)

Julius Hart in "Kritische Waffengänge" (1882)

Carl Bleibtreu in "Gesellschaft" in München:
Geschichtsdramen

Zola: Kunst als "coin de la nature, vu travers un temperament"

Holz in "Kunst- Ihr Wesen und ihre Gesetze": Kunst = Natur - x, wobei

- Natur variabel ist

- x stets unter dem geseichtspunkt historischer Reproduktionsbedingungen und deren Handhabung" steht

"Kunst hat die Tendenz wieder Natur zu sein"

Die Formel beansprucht also universelle Gültigkeit!

Holz und Schlaaf: "Familie Selicke" (1890 auf der "Freien Bühne")

Wirkung: "Stimmungskraft der Rührenden" und nicht Nachzeichnung des Wirklichen

Anzengruber: "Das Vierte Gebot"; Wiener Volksstücke

Moralkritik als Gesellschaftskritik

Berliner Kreis: Max Kretzer, Mackay und Julius Hart ("Der Sumpf": realistischer Maler und die femme fatale der Großstadt [Hure Babylon]; endet im Selbstmord)

Hermann Bahr: "Die neuen Menschen": Sozialismus- Hoffnung und Dirnenkult (Sozialistenpaar und Hure)

Hauptmann: "Vor Sonnenaufgang" (uraufgef.: 20. 10. 1889) in der "Freien Bühne" (eröffnet mit Ibsens Gespenstern; Verbindung: Enthüllungstechnik und Vererbungsgedanke)

Friedensfest ("bedeutenster Beitrag zum Naturalismus")

Hermann Sudermann: "Die Ehre": Heimkehrer, der dem Milieu entwachsen ist und nicht mehr zurückfindet (Entwurzelungsgedanke): Vorderhaus vs. Hinterhaus



Begriffsklärungen


Konversationsstück: Pointenhaftes Stück, gepflegte Unterhaltung, wenig Handlung, viel Dialog

Sekundenstil: Atomisierung und Verlangsamung (Zeitlupe) der Handlung durch Regieanweisungen, paraenthetischer, abgehackter Stil, alle Einzelheiten werden dargestellt

Mechanistische Auffassung von Handlungen, Präzsision, Objektivität

Schicksaltragödie:

Mythos -- Unentrinnbarkeit der Zeit selbst, Vergangenheit als das Ewig Gegenwärtige

oft: nur Athmosphärisch

Inneres Drama oder Seelendrama:

Leben und Geist identisch (Geistigkeit ist das tief verbindende Fluidum und damit die Verbindung aller Menschen)

Geist ist selbst ein dramatischer Prozeß, er braucht nicht unbedingt verbalisiert werden

Negation der Tat: Handlungen haben einen anderen Bezugspunkt als Wirkungen und Intentionen von Sprechakten.

"Umeinander winden" ist die soziale Bewegung der Menschen

- Im Sozialen fallen Komplexität der Wirklichkeit und Charakter (Adäquatheit) zusammen; das Soziale ist die Bewegung des Lebens selbst

- das Soziale als Volksseele, als Vorfinden eines Wesentlichen und Geistigen

Hauptmann - der Dichter des sozialen Mitleids oder Der Dichter "mit dem Zwangsgedanken sozialer Gerechtigkeit"?: keine Revolution, keine Politik, Auflehnung gegen die Seelenverletzung des schwächeren Volksteils als "heimliches Trauma"

Analytisches Drama:

Problem: keine Episierung des Drama,

Epos: Vielfältigkeit des Stoffes

deswegen Goethe Forderung nach: Exposition schon Teil der Entwicklung

Stoffwahl: "Alles ist schon da, und wird nur herausentwickelt" (Einbau der Exposition in die Dramatik)

John Gabriel Borkman: Hermetik des Landhauses mit Ella (Schwester Ellas), seine Frau Gunhild und John Gabriel

Vergangenheit: Liebe zu Ella, aber Heirat Gunhilds wegen Bankkarriere (Unterstützung Hinkels, der um Ella warb, die ihn aber abwies), Denunziation durch Hinkel (der hinter der Abweisung Borkman vermutet), Gefängnis, Sohn bei Ella

Vergangenheit: nicht als Einzelerlebnisse oder Motive, sondern die Zeit als ganze ("das Leben", "verfehltes Menschenleben")

Gefängnis -- nicht Freiheit, sondern Tod

Vergangenheit nicht Funktion der Gegenwart, sondern Gegenwart ist nur Anlaß der Heraufbeschwörung

Zeit: entweder Ereignisberichtetes oder Funktionalisierung

Im analytischen Drama:

- als Leitmotivtechnik

- oder als Vererbung (Schuldgedanke Oswalds)

Bruch eines Bündnisses zweier "Geheimnisträger" in der Handlungsgegenwart:

Tönnessen und Bernicke ("Stützen"), Nora und Krogstadt ("Nora")


Schicksalzusammenhang: öffentliches Ansehen und moralischer Rigorismus

Familie als Fortsetzung des Arbeitslebens (moralische Normen): Erpressung kann nur aufgrund des moral. Rigorismus entstehen, und dieser droht die Ehe zu zerstören

Verlagerung vom singulären Ereignis (Heirat, Schlagen des Vaters, Kreditaufnahme Noras) auf die Zeit ("das ganze verpfuschte Leben")

Deswegen kann der Konflikt auch nicht durch ein Ereignis (Vertragen, Geständnis, Trennung) gelöst werden

Das Skandalöse wird in das Schicksalhafte umgebogen: Verdinglichung der Zeit.

Fatalismus in den Gespenstern: Pfeife des Vaters, dies fatalis des 10. Todestages, Brand des Asyls

Warum Rücknahme des Skandals durch private Konsequenz (Selbstmord, Gehen)?

Hervorhebung der Lebenslüge vor dem öffentlichen Skandal (Theater als moralische Anstalt)

Skandaldrama -- Fataldrama




Szondi- Theorie des modernen Dramas


Form und Inhalt: Identität oder Dialektik

formale Aussage und inhaltliche Aussage

E. Staiger: drei Ekstasen der Zeit, lyrisch, episch,

Drama ist absolut: Abwesenheit eines übergreifenden Ichs; Entscheidungen sind Teile von Handlungskosntellationen und Charakterintentionen, -- Drama ist geschlossen

Passivität des Zuschauers: er ist nur über die durch die Handlung evozierten Affekte angesprochen, nicht direkt angesprochen

Drama ist primär: Drama stellt selbst dar, ist nicht Abbild von etwas Darzustellendem (Abwesenheit des Zitats)

Drama ist absolut gegenwärtig: Zeit ist immer Gegenwart, Selbststiftung der Zeit -- ZeitEinheit des Dramas

Drama ist absolut motiviert: Ausschaltung des Zufalls und Motivierung der Handlung (Lessing)

Krise

Hereinbrechen der offenen Form

als Begreifen neuer historischer Wandlungsprozesse

analytische Technik: nicht Furcht vor dem Geschehen, sondern, daß "etwas geschehen seyn möge" (Schiller)

"Exposition der Konflikt ist schon Theil der Entwicklung" (Schiller)

eigentliche Handlung ist schon geschehen, dadurch ist zusammengesetzte Handlung möglich, die der Tragödie widerspricht (Entwicklungsgedanke)

John Gabriel Borgmann: Zeit wird selbst zum Thema

- Flucht aus dem Gefängnis der Vergangenheit

- Vergangenheit ist aber nicht mehr Funktion der Gegenwart (wie im Ödipus), sondern

- Gegenwart ist Anlaß zur Heraufbeschwörung der Vergangenheit (absolute Vergegenwärtigung)

- Verinnerlichung der Vergangenheit : Leitmotivtechnik, wo das Gleiche in immer neuen Formen auftritt, Symboltechnik

Glasklirren in den Gespenstern

Tragik ist nicht der Tod, sondern die verinnerlichte Gegenwart der Vergangenheit


Dramatisches

Zwischenmenschlichkeit -- entfremdete Objektivität

Determination vereinzeln die Subjekte

Loth, das epische Ich, als der Femde, der Wissenschaftler, der dem Milieu ditanziert gegenübersteht, er hat nur funktionale Rolle

Anlaßgebundenheit der Handlung

Thematische Verbrämung des Epischen

Episches Ich wird in der objektiven Sprache des Naturalismus vorausgesetzt

Drama als

(1) gegenwärtiges

(2) zwischenmenschliches

(3) Geschehen

wird im Nat. fraglich

bei Ibsen: Gegenwart -- Vergangenheit selbst oder Gegenwart als Heraufbeschwörung der Vergangenheit

Zwischenmenschliches -- Innerlichkeit (Friedensfest) oder Außermenschliches (Vor Sonnenaufgang, Weber, Biberpelz)

Neue Subjekt-Objekt-Relation: Charakter und Handlung sind jetzt Enthüller und enthüllte Vergangenheit

Relativierung der Absolutheit von (1) bis (3) durch Subjekt-Objekt-Diemsnionierung

Problem: Darstellung der verinnerlichten Vergangenheit (Ibsen), Darstellung der Milieu durch Handlungen (Hauptmann)

Widerspruch zwischen epischer Thematik und dramatischer Form


Naturalistisches Drama als Rettungsversuch

Flucht in die fremde Gegenwart

Flucht aus der Zeit als
Archaisierung der Zeit

Sozialer Abstand des nat. Dramas: Mitleidsdramatik als Distanz zum Gegenstand

Identität von Personal, Zusschauer und Dichter durch gleiche Nähe zum Dargestellten (Projektionen des historischen Subjekts)

Soziale Drama ist der Selbstreflexyionsprozeß des Bürgertums über sich selbst

Die Entfremdung der Personen voneinader drückt die Entfremdetheit der Bürger voneinander aus

Milieu: ist nur dem Dichter vollends zugänglich -- Episierung, um die Dissozation wieder aufzuheben


Brechts Gegenüberstellung von Naturalismus und (Sozialistischem) Realimus und seine Kritik am Naturalismus

- Selbstverliebtheit des Spätbürgertums in ihren eigenen Untergang (Mehring, Lukacs)

- Ästhetisierung der Politik (Benjamin. Lukacs)

- Schicksal sei die ideologische Versachlichung des Verblendungszusammenhang, in dem die Subjekte stünden (Lukacs). Dafür spricht auch die fatalistische Geschlossenheit der Thematiken und Mittel

Brecht:

NATURALISMUS REALISMUS

- Gesellschaft als Stück Natur

- Ausschnitte aus der gesellschaft

(Familie, Schule) sind Welten für sich

- das Milieu

- Reaktion der Individuen

- Atmosphäre

-. Mitgefühl, Mitleid

- Vorgänge für sich selbst

- das Detail als Zug

- Sozialer Fortschritt empfohlen

- Kopien

- Zuschauer als Mitmensch

- Publikum als Einheit

- Diskretion

- Mensch und Welt,

vom Standpunkt des einzelnen


Kritik: Beschreibung der schlechten Verhältnisse, wie sie sind ohne

- Klärung deren Entstehungsursachen

- deren Veränderbarkeit

-- Verewigung der Verhältnisse



Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

Skripts: Konnektionismus
Eingestellt von Wolfgang Melchior am 07. 02. 2002 (493 mal gelesen)
Thema Arbeiten in der Philosophie
Arbeiten in der Philosophie Wolfgang Melchior schreibt:


Konnektionismus und Symbolismus


Übersicht:
  • Begriffe
  • Körper-Geist-Problem nach G. Helm
  • Kognitionsmodelle
  • Putnams Funktionalismus und das Problem des funktionalen Isomorphismus
  • Begriffsfassungen des Verela-Maturana-Konnektionismus
  • Verela/Maturana: Baum der Erkenntnis (Summary)
  • Riegas: Wahrnehmung und zur Geschlossenheit des NVS (eine Kritik an Verela/Maturana)





    BEGRIFFE
    I. Lernbegriff:
    1. ontogenetisches Lernen:
    Lernen ist eine Verhaltensänderung aufgrund früher
    erfahrener (gespeicherter) Erfahrungen

    2. phylogenetisches Lernen:
    Durch eine Generationenabfolge unter kausaler Wirkung von Selektion
    und Mutation enstandener Drift in Richtung einer Anpassungsleistung.

    II. Der Baum der Erkenntnis:
    - Strukturdetermierende Systeme

    - System und Organisation

    - Konnektionistisches Netzwerk: backward propagations
    Back to top


    Helm: Symbolistischer Ansatz und das Körper-Geist-Problem:
    1. Problem:
    Ausgangspunkt:
    (1) die kausale Geschlossenheit der physikalischen Welt
    Problem ist eine kausale Beschreibung mentaler Zustände und
    Prozesse:
    Dazu kommen folgende Zusatzannahmen:
    (2) kausale Wirksamkeit mentaler Prozesse/Zustände u.u.

    (3) mentale Zustände keine physikalische Zustände

    (3) Widerspruch zu (1) + (2)

    2. Lösungswege:

    - weil (1) falsch,d.h.: es gibt physikalisch beschreibbare
    Ereignisse, die keine physikalischen Ursachen oder Wirkungen
    besitzen

    Problem: wie geht eine kausale Interaktion zwischen mentalen und
    physiskalischen Prozessen zustande?

    - weil (2) falsch ist --- psychphysischer Paralleismus

    weil (3) falsch ist: --- materialistsicher Monismus: Problem
    der pühysikalischen Identifikation mentaler Zustaände
    Back to top


    Kognitionsmodelle
    1. Behaviorismus:
    1.1. Empirischer Behaviorismus (Skinner, Watson)
    oder
    Black-Box-Modell:
    - Input und Outputs sind empirische, meßbare Daten
    (Verhalten) mit best. Frequenz, Amplitude usw.

    - mentale Zustände werden entweder ausgeklammert (rigides
    black-box-Modell)

    - oder identifiziert mit der kausalen Wechselwirkung zwischen
    Reiz und Reaktion

    1.2. Logischer Empirismus (Ryle)
    - Psychische Zustände sind manifestes oder dispositionales
    Verhalten. Vgl. Operationaler Verifikationismus: Bedeutung ist
    die Methode der Verifikation

    - Ausagen von psychischen Zuständen sind Aussagen über
    Verhaltenskonditionale

    - Jedes mentale Prädikat ist eine Konjunktion endlich
    vieler behavioraler Konditionale:

    Wenn Person x in einer Situation A (circumstances) wäre,
    würde er das Verhalten m zeigen.

    (dabei werden A und m in einem behavioralen Vokabular formuliert)

    Problem: nicht alle ceteris paribus sowie Umstände A lassen
    sich ohne Rückgriff auf mentale Prädikate formulieren

    2. Putnams Funktionalismus

    c) Identitätstheorie: Korrelierung von neurophysiologischer
    Zustände mit mentalen

    c1) type-type identity: Identität von Typen mentaler
    Zustände und neurophysiologischer Zustände.

    Schmerz, Freude, Wollen usw. entsprechen alle demselben Typ von
    neurophysiologischem Zustand, etwa: der Reizung einer ganz
    bestimmten Klasse von Nervenfasern oder Neuronen.

    - Vorteil: kausale Geschlossenheit, da alle mentale
    Zustände vollständig in physikalischem Vokabular
    formuliert werden können

    - Nachteil: die Vielfalt



    physiologischer Realisierung mentaler
    Zustände ("Schmerz empfinden") macht eine ein-eindeutiger
    Zuordnung schwer, wenn nicht unmöglich
    (multiple-realization-argument)

    Auswege:

    1.) Beschränkung auf best. Spezies: mentale Zustände
    von Spezies x

    2.) Mentale Zustände sind die Disjunktion sämtlicher
    möglicher neurophysiologischer Zustände -- Problem:
    was ist Bedeutungsgleichheit dann noch
    Back to top


    Das Problem des funktionalen Isomorphismus

    Isomorphie ist ein Kunstwort: (vgl. Putnam: Mind. Language and
    raelity: Philosophy and our Mental Life

    Putnam: "Two systems are functionally isomorphic if there is a
    correspondence between the states of one and the states of the
    other that preserves funcional relation"


    Dies Definition ist nat. ebenso dunkel wie nichtssagend, weil
    nicht klar ist, wie die Korrespondenz zwischen den
    Zuständen zwischen den jeweils beiden Systemzuständen
    (paarweise geordnet?) auszusehen hat.

    Geg. sei eine Funktion FI und zwei Zustände eines Systems A
    und B, wobei eine reine Folgebeziehnung zwischen beiden
    Zuständen vorherrscht: A und dann B, dann gilt:

    FI ist dann und nur dann eine Isomorphiefunktion, wenn A auf B
    folgt und im anderen System FI(A) auf FI(B). Die Beziehungen
    sind hier simple Folgebeziehungen.

    Modelltheoretisch oder strukturalistisch ausgedrückt
    heißt dies:

    T sei eine Theorie eines System 1, dann ist FI eine Funktion
    zwischen System 1 und System 2, so daß jede Eigenschaft
    und Beziehung von System 2 so abgebildet wird, daß T
    dieselben Wahrheitswerte enthält, wenn alle Bezüge zu
    System 1 durch Bezugnahmen auf System 2 ausgetauscht werden.

    Noch anders: Beide Systeme müssen durch den Isomorphismus
    als gleichberechtigte Modelle derselben
    psychologisch-funktionalistsichen Theorie T gelten (Fodor).
    Diese Theorie beschäftigt sich also eo ipso nicht mit
    konkreten Strukturen, sondern mit abstrakten, nämlich all
    soclhen, zwischen denen Isomorphiebeziehungen gelten.



    Isomorphiebeziehungen sollten im funktionalistischen Modell
    Folgendes sicherstellen: auf was es ankommt, sind die
    Bestandteile im Lichte ihrer Funktion für das Gesamtsystem
    und daher ihre Relationen zu anderen Bestandteilen.

    Daher ist unerheblich, ob eine Maschinentafel einer universellen
    Turing-Maschine durch Schweizer Käse, Neuronen, Eisen oder
    Silzium-Halbleiter realisiert wird!

    Genau dieses Paradigma der Irrelevanz der Realisation von
    Systemorganisation/struktur sollte der Konnektionismus zuerst
    angreifen.



    Die Isomorphiemetapher der starken KI nahm sich so aus: für
    ein intelligentes System ist es völlig unerheblich, ob es
    physikalisch durch Neuronen, Chemotransmitter, Axone, Dendriten
    usw. oder durch elektrische Halbleiterkreise realisiert wird



    Ein monistischer Materialismus wäre nicht mehr haltbar, da
    die Identität von mentalem und physikalischem bei
    isomorpher Raelisierung nicht mehr gegeben wäre.
    Back to top



    Der Baum der Erkenntnisse:
    1. Begriffsfassungen

    Das Problem operationeller Geschlossenheit:

    - Ein Beobachter stellt Verhaltenskoordinationen zwischen Milieu
    und Organismus fest

    - Der Organismus arbeitet nur mit Hilfe interner Korrelationen

    - Mangel der Infotheorie:
    * keine Isomorphie zwischen sendendem Milieu und empfangendem
    Organimsus wie

    * alle Stimuli und Interaktionen sind nicht instruktiv: es gibt
    nichts, wodurch def. wäre, welche Verarbeitung ein ganz
    bestimmter Reiz nach sich zieht.

    -- es gibt keinen Input


    strukturelle Übereinstimmung von Organismus und Milieu
    während der Ontogenese

    Evolution:
    Übereinstimmungsverhältnis mit dem dem
    Medium wird bewahrt durch ständiges Driften hindurch

    Es ändert sich: Struktur des Organismus, nicht seine
    Organisation

    Mechanismus: Bewahrung der Anpassung!

    Auslese: Folge von oragnisationserhaltenden Abstammungslinien

    Konsensualität: Verhaltenskoordination durch rekurrente
    Interaktion

    Auslösung und Determination: durch Interaktionen werden nur
    Reaktionen innerhalb des Systems ausgelöst, determiniert
    werden sie durch die Struktur

    aber: durch Modifikation der Umwelt ist es möglich den
    Bereich von Perturbationen einzuengen.

    Individualität realisiert sich durch Zusammenleben

    Kognition: Zuschreibung von Verhaltenskoordinationen eines
    Systems in einem Milieu relativ zu bestimmten Kriterien
    (Unterscheidungen); jede Referenz ist ein Akt von
    Unterscheidungen relativ zu bestimmten Kriterien

    Autopoiesis: Eigenschaft von Systemen, die Netzwerke der
    Produktion ihrer Komponenten sind

    Netzwerk ist zugleich Produkt als auch Produzierendes

    Nicht aus empirischen Forschung abgeleitet!

    Nervensystem: Netzwerk von Relationen neuronaler
    Aktivitäten zwischen neuronalen Elementen mit maximal
    distributierter Dimension. Es ist geschlossen, aber nicht
    autopoietisch!

    Computersimulation und AI: Modelle von Beschreibungen
    biologischer Phänomene anstatt von diesen selbst. Das
    simulierte autopoietische System exisitiert weder als Programm,
    noch als Compi selbst, sondern in einem virtullen Raum

    Programm heißt externe, symbolische Determiniertheit

    dagegen Lebewesen: Erzeugung bestimmter Relationen,
    Plastizität lebender Systeme: dieselben Dinge auf
    verschiedene Weise tun können.

    Entscheidend ist: Lebewesen besitzen kein internes Programm,
    sondern interne Korrelierungen von Aktivitäten (Natrum und
    Wasser Beispiel).

    -- Nichtspezifiziertheit von Verhalten

    Neurophysiologie und Kognition:

    - kein Fortschritt

    - Korrelationen sind klar: weil Eingriffe in die interne Dynamik
    des Systems

    - nicht hinreichend: Beobachtung Läsion von Area A bewirkt
    Verlust von Verhaltenskoordniantion X reicht nicht aus für
    die Behauptung: Area A realisiert die Funktion X

    - das Netzwerk arbeitet nicht mit Repräsentationen der
    Außenwelt, es arbeitet vermittels interner Relationen
    (Froschexperiment vs. Umkehrbrillenexperiment)

    - für Umkehrbrillenexperiment gilt die Flexibilität
    des Nervensystems

    Funktionalistische Theorien (Fechner, Weber):

    - es gibt immer Korrelationen zwischen Stimulus und Reaktion ,
    da strukturelle Übereinstimmung!

    - Korrelation geben auch die gemeinsame Geschichte (der
    strukturellen Kopplung) zwischen Milieu und Organimsus wieder

    Beobachter und Nervensystem:

    - wir alle sind Beobachter

    - Beobachtung heißt Unterscheidungen treffen und danach
    Beschreibungen anfertigen

    - ist selbst eine Operation und keine ontologische
    Differenzierung und daher abhängig von der strukturellen
    Koppelung

    - Dualismus: Phänomene der internen Dynamik und solche der
    Interaktionen, voneinander geschieden: neuronales Netzwerk und Verhalten des ganzen Organismus

    ergo: die Trennung von Beobachter und Nervensystem entspringt
    der Trennung von geschlossenem Netzwerk und beobachtbarem
    Verhalten des Gesamtsystems im Medium; der Wahrnehmungsapparat
    hat keinen informativen Zugang zur Außenwelt (Illusion und
    Realität)

    - keine ontologische Differenz, sondern operationell: Beobachter
    kann die Folgen von Operationen des Netzwerkes beobachten.

    - er kann die Interaktionen beschreiben, sofern sie
    strukturdeterminiert sind

    Bewußtsein: eine Reflexion, eine Art von Beschreibung
    eines Beobachters bei der Beobachtung interagierender lebender
    Systeme und ihrer
    Regelmäßigkeiten

    Teleonomie: hat nur heuristischen Wert, bestimmte
    Erkenntnisleistungen
    Back to top


    2. Maturana/Verela: Baum der Erkenntnis (ab S. 148)

    Beobachter: Unterscheidung einer Einheit

    - von anderen Einheiten seines Organismus

    - von seinem Milieu

    Betrachtung der mit dem Milieu interagierenden Einheit,
    relational

    -- innere Dynamik ist irrelevant

    Operieren: für die interne Dynamik existiert dieses Milieu
    nicht

    Nur ein Beobachter erkennt Korrelationen zwischen operierendem
    system und Milieu

    Strukturdeterminiertheit: Resultat beobachteter
    Unterscheidungen, die festlegen, welche Interaktionen
    strukturverändernd sind oder welche Konfigurationen des
    Milieus Strukturveränderungen auslösen können.

    Problem: Opeieren des Systems repräsentiert diese
    Korrelationen

    Sensomotorische Koppelung: rekursiv, invariant und rekurrent

    Sensorische Fläche wird perturbiert -- Bewegungsmuster
    (Beobachter) -- Invarianz der inneren Relationen (Chemotaxis)

    Entschiedend ist die neuronale Struktur: interne Koppelung
    über Synapsen

    Netz: Interneuronen und ihrer Konnektivität (Gehirn) --
    Flexibilität und Plastizität

    Repräsentationales Modell: lineare Informationsverarbeitung
    vs. Reziprozität

    Beobachter: Lernen als Verhaltenskoordination im Einklang mit
    einem sich verändernden Milieu; diese Geschichte = Erlernen

    angeborenes und erlerntes Verhalten nicht unterschieden, solange
    nicht die Geschichte der Interaktionen des systems in seinem
    Milieu bekannt sind.

    Erkenntnis ist kontextabhängig, in einem vom Beobachter
    formulierten strukturell gekoppelten System mit seiner Umgebung
    relational zu einer Fragestellung



    Soziales Verhalten:

    koontogentisches Driften als Koppelung dritter Ordnung

    wichtig im Hinblick auf die Fortpflanzung

    Kommunikation ist Verhaltenskkordination für einen
    Beobachter als gegenseitiges Auslösen innerhalb einer
    sozialen Einheit (Population)

    In sozialen System verwirklichen die Individuen ihre Ontogenese
    als Teil eines Netzwerkes von Koontogenesen, welches sie selbst
    hervorbringen

    Nachahmung als sozaile Verhaltenskoordination

    kulturelles Verhalten: transgenerative Invarianz von
    ontogentisch erworebenen Verhaltensweisen in der kommunikativen
    Dynamik eines sozialen Systems

    SPRACHE:

    semantische Beschreibung: Beschreibung von Interaktionen
    zwischen Individuen als ob die Bedeutung eine Determinatnte der
    Interaktionen wäre
    Back to top




    RIEGAS und die Geschlossenheit des Nervensystems

    Illusionen sind nur entkräftbar durch:

    - zusätzliche Erfahrungen durch sprachliche Mitteilungen
    anderer mit Autorität

    - andere Wahrnehmungsdimensionen

    Wahrnehmungen sind nicht unmittelbar überprüfbar, im
    Sinne einer Überprüfung eines realen Gegenstandes

    Psychophysik

    Beziehung zwischen physikalischen Eigenschaften von
    Gegenständen und deren Reizempfinden (Gewicht, Temperatur)

    -- korrelativer Zusammenhang zwischen physikalischen Merkmalen
    der Reize und der subjektiven Empfindung: auslösende Reize
    sind informativ für das Zentralnervensystem

    Frabwahrnehmung ist:

    - selektiv: beschränkt auf einen klienen
    Wellenlänegnbereich

    - unregelmäßig und unterschiedlich sensitiv für
    verschiedene Farben

    - verzerrend: gleiche physikal. Reize -- unterschiedl.
    Wahrnehmung u.u.

    - konstruktiv: qualitative Differenzen

    -- keine Korrelation zwischen Farbwahrnehmung und physikal.
    Eigenschaften

    Korrelation der Ganglienzellenaktivität mit den Farbnamen,
    nicht mit physikal.
    Farbeigenschaften

    Das menschliche Auge: querverschaltete Gagnglienzellen

    - laterale Hemmung

    - Hebbsche Aktivierung

    - Aktivierung über weite Strecken

    also: keine lineare Korrelation beweist nicht die
    Geschlossenheit des Nervensystems

    Farbtäuschungen

    Farbschattenexperimente beweisen Kontextabhängigkeit von
    Farbwahrnehmnungen und die Konstruktivität von Rezeption
    (situativ bedingte und kontextabhängige Illusionen)

    Typisch? Nein!
  • Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

    Skripts: Evolutionäre Erkenntnistheorie
    Eingestellt von Wolfgang Melchior am 07. 02. 2002 (544 mal gelesen)
    Thema Arbeiten in der Philosophie
    Arbeiten in der Philosophie Wolfgang Melchior schreibt:


    Evolutionäre Erkenntnistheorie



    Übersicht:
  • Konrad Lorenz: Die Rückseite des Spiegels
  • Stegmüllers Kritik an der EE




    Lorenz: Die Rückseite des Spiegels

    Grundthesen

    1. Erkennen beruht auf Wechselwirkung zwischen aktivem Subjekt
    und Gegebenheiten, Objekten

    2. Wirklichkeit: Konstanz von gesetzmäßigen
    Wechselwirkungen äußerer Reize auf unser Erleben,
    unabhängig von

    - Wahrnehmungsbedingungen und

    - inneren Zuständen

    Objektivation: Absehen von subjektiv Zufälligem

    Objektivität durch nat.wiss. Einsicht in die kognitiven
    Prozesse erreichbar.

    "Object of knowledge and the instrument must be taken as a whole"

    Vorgang des Erkennens und die Eigenschaften des Objekts

    Identitätsthese: Alle subjektiven (mentalen Prozesse)
    identisch mit physiologischen Vorgängen

    Zwei Forderungen

    1. Erkenntnistheorie auf biologischer Grundlage und

    2. Entwurf eines Menschenbildes

    Back to top





    Hypothetischer Realismus

    Universalität von Bildern: im Geist, in der Morphologie,
    das Auge

    Wissen der realen Welt: stammesgeschichtlich entstandenen
    Relevantes meldenden Apparaten des Infogewinns

    Alle Informationen entstammen wirklichen Gegebenheiten:

    Paßgenauigkeit: Erkenntnisapparat ist ein Produkt der
    Wirklichkeit, die es abbildet

    Abbildung und Anpassung hängen also unmittelbar zusammen.

    Utilitaristische Vereinfachung: nur arterhaltende Relata des
    An-Sich.

    Das An-Sich bedarf eines abbildenden Organs, um wirklich
    für uns zu werden

    Zuordnung von realen Eigenschaften und instrumentellen
    Eigenschaften

    Wißbarkeit der Erscheinungen, nicht des Dings an sich.

    Back to top





    Transzendentaler Idealismus und hypothetischer Realismus

    Kant: keine Entsprechung zwischen Ding an sich und der Form des
    Gegebenseins (durch AF und KT)

    Das Individuell Apriorische ist das phylogentisch Erworbene

    a) macht Erfahrung möglich (Bedingung der Möglichkeit
    derselben)

    b) historisch, nicht denknotwendig, da es auch andere
    Erfahrungswelten gibt

    c) enstanden durch einen Anpaßungsprozeß:
    Widerspiegelung objektiver Naturgesetze

    d) nicht enstanden durch: individuelle Abstraktion noch
    Deduktion aus Erfahrung

    Interesse: Leistungen, die Erlebnisqualitäten vermitteln,
    die Objekt konstant anhaften.

    -- Konstanzphänomene als Widererkennen bestimmter
    Objekteigenschaften

    Verschiedenheit der Weltbildapparate: Medlungen von denselben
    Umweltgegebenheiten sind widerspruchsfrei.--- Selbigkeit der
    Wirklichkeit durch Übereinstimmung der
    Repräsentationen.

    Ausbildung bedingter Reaktionen und Kausalität: zeitliche
    Relationen werden gesetzesartig interpretiert.

    Ausgangspunkt: subjektives Erleben -- physikalische
    Wirklichkeit nicht umgekehrt -- Erforschung des subjektiven
    Erlebens und seines Umcodierungsapppartes

    Principle of mutual elucidation. step by step

    Subjekt und Objekt sind gleicherma?en real, da sie beide
    ihr Entstehen (einmal: physiologische Erkenntnis, dann.
    stammesgeschichtlich entstanden) einem
    Anpaßungsprozeß verdanken

    Back to top





    Idealismus ist Schein

    Außenwelt existiert nur als Gegenstand möglicher
    Erfahrung (eig.: Sensualismus)

    Idealia sind realia ante rem

    Anthropomorphismus des Schöpfungsgedankens: Idee ist der
    Plan des Realen

    Ideen sind Abstraktionen

    WBA ist befragbar
    nach:

    Wozu: Teleonomie

    Woher: Phylogenese

    Warum: Umwelt-Ursachen der Erscheinungen

    Snowballing: Bimdung dissipativer Energien zum Aufbau kompelexer
    Ordnungen

    Back to top





    Anpassung als Wissenserwerb

    Bauplan: DNS-Code als materiegebundene Struktur, die
    generationsübergreifend weitergegeben wird

    Mutation und Rekombination sind ungerichtet: in wenigen
    Fällen vorteilhaft

    Ausnützen der Umweltbedingungen -- bessere
    Fortpflanzungsfähigkeit und Überlebensfähigkeit

    Selektion und Anpassung sind komplementär

    Teleonomie:

    Wissen: Anpassung ist ein Prozeß des Wissenserwerbs
    über die Außenwelt mit einem bestimmten Zweck

    Wissensgewinn des Genoms durch Probieren und Beibehaltung des
    Besten.
    Abbild der Außenwelt

    Solche Abbildverhältnisse bestehen bereits auf der Ebene
    der Morphologie

    Das Genom lernt nur aus Erfolgen, der Wissenschaftler auch aus
    Irrtümern!

    Konfigurationen und pattern matching

    Selektiver Wissenszuwachs kann verallgemeinert werden

    Wissen erhöht Überlebenschancen

    Back to top





    Erwerb von Augenblicksinfos

    Funktion des ZNS: Antwort auf eine Umweltsituation in sinnvoller
    Weise

    Taxis, Leistungen der Wahrnehmungsapparate

    Funktionen von bereits angepaßten Strukturen

    vor aller Erfahrung da

    Sinnestäuschungen sind Beispiele für die Invarianz
    dieser Strukturen (Aufzwingen bestimmter Hypothesen).

    Angeborene Hypothesen



    Positive RK von Prozessen des Infogewinns als auch des
    Energiegewinns

    velocity and direction of evolution:

    d.h. kognitive und energetische RK-Prozesse hängen zusammen

    Back to top





    Emergenz

    Das Ganze ist mehr als seine Teile

    Subsysteme in linearer Weise verknüpft und zu einem Kreis
    verbunden

    Integration von Subsystemen zu Systemen höherer Stufe,
    wobei sich die Subsysteme spezialisieren (Vereinfachung)

    Diese Beziehung besteht auch: zwischen Systemen und ihren
    Vorgängern, zwischen Oragnischem und Anorganischem

    Restlose Erklärung von höheren Stufen aus niedrigeren
    nicht möglich, d.h. nicht deduzierbar

    Back to top





    Leistungsbeschränkung des Genoms

    Totzeit: eine Generation

    Erste Ebene:

    1. )Homöostase: Aufrechterhalten des innreren
    Gleichgewichts = Informationsaufnahme über eine
    veränderte Umweltsituation

    Verwertung vs. Speicherung

    2.) Reizbarkeit und Lokomotion: sensomotorische Koppelung und
    der Hiatus hochgradig differenzierter mit einem NV
    ausgestatteten Lebewesen

    3.) Amöboide Reaktion:

    Anpassende Information gründet auf einer Fähigkeit auf
    Außenreize selektiv zu antworten (Quantität der
    Reaktion)

    5.) Kinesis: Arterhaltend sinnvolle Fähigkeit zum
    Ortswechsel in Richtung auf energetisch günstige Orte
    (durch Geschwindigkeitsänderung der Bewegung oder
    Klino-Kinesis)

    6.) Phobische Reaktion: Umkehrreaktion bei Verschlechterung der
    Umweltbedingungen; nicht nur wie bei Kinesis Art der Umgebung,
    sondern Richtung der besseren oder schlechteren Umgebung
    (qualitative Information)

    7.) Taxis oder Tropo-Taxis

    Zweite Ebene:

    AAM und Instinkthandlung mit Appetenz

    nicht Anpassungsvorgänge, sondern Funktionen
    angepaßter Strukturen

    Back to top





    Lernen:

    offene Programme

    teleonome Modifikation von physiologischen Mechanismen, deren
    Funktion das Verhalten ist

    Permannez der Anpassung

    Assoziation einer Verknüpfung von vorher nicht
    kausal
    zusammenhängenden nervalen Funktionen

    Back to top







    VII. Kapitel Wurzeln des begrifflichen Denkens

    Wahrnehmung, Raumorinetierung und Neugierdeverhalten,
    Willkürbewegungen, Nachahmung, Wortsprache

    1. Die Abstraktionsleistung der Wahrnehmung

    Repräsentation ist das Ergebnis von komputationalen
    Vorgängen, die

    - aus Sinnesdaten auf Gegebenheiten schließen

    - welchselbige den Erscheinungen als das Wirkliche zugrunde
    liegen

    Pattern matching: Zur-Deckung-bringen von Sinnesdaten mit
    individuell erfahrenen oder phylogenetisch gewonnenen Mustern

    WBA- Leistung: Wiedererkennen in verschiedenen Milieus

    Selektivität des Reizes

    Konstanzwahrnehmung von Reizen unabhängig von
    Quantität und Qualität (Transponierbarkeit)

    -- Abstraktion dem Gegenstand invariant anhaftender
    Eigenschaften -- Objektivation

    Varianzen: Bewegung des Objekts (Drehung im Raum, Entfernung),
    Bewegung des Organismus

    Konstanzwahrnehmung von Gegenstandsklassen

    Computermetapher: Beobachtungsprotokolle und statistische
    Verarbeitung -- Herausfiltern von Invarianzen (ratiomorph)

    2. Einsicht und zentrale Raumrepräsentation

    Einsichtigkeit: Eigenschaft von Verhaltensweisen, deren
    Angepaßtheit auf vorgängigen kurzfristigen
    Infogewinns beruhen (Kinesis, Phobische Reaktion usw.)

    Parallaktische Verschiebung: durch Eigenbewegung bewirkte
    Verschiebung der Netzhautbilder. Zusammenfallen von Ortung und
    Ortsbewegung

    Binokuläres Fixieren: Netzhautbild durch Konvergenz der
    Augen an die schärfste Stelle zu bringen, um den Ort des
    Gegenstandes zu ermitteln. Getrenntheit von Ortung und
    Ortsbewegung

    Analogon: modellartiges, räumliches
    Vorstellen/Repräsentieren des Gegenstände;
    Internalisierung des Probierens; probeweises Handeln im
    vorgestellten Raum

    Noam Chomsky und Mentalese (Plurivalenz)

    3. Einsicht und Lernen

    Problemlösung ist die Funktion eines Systems, welches
    Mechanismen den Infosammlung,-vergleichs, und auswertung
    integral besitzt

    Trial-and-Error: nicht ungerichtet, sondern mit einer
    Arbeitshypothese

    GegenseitigeHemmung von einsichtigem Verhalten und erlerntem
    Verhalten

    4.Willkürbewegung

    Motorisches Korrelat zu sensorischen Mechanismen

    Räumliche Einsicht entwickelt motorisch adäquate
    Bezugnahmen relativ zu den Umwelterfordernissen

    Entwicklung: Atomisierung der Lokomotion in immer kleinere
    Einheiten (separarible Einheiten), bei der Wilkürbewegung
    am kleinsten -- Rekombinatorische, variable Vielfalt

    (Raumeinsicht und Anpassungsfähigkeit der Motorik)

    Vereinigung dieser zu "motor skills" durch Lernvorgänge

    5. Neugierdeverhalten

    Rekurrentes, variables Anwenden verschiedener Verhaltensmuster
    bei unbekannten Gegenständen im entspannten Feld

    Arterhaltender Wert: Erwerb sachlichen Wissens, Objektivation
    des Eigenen (Begriffsbildung)

    Voraussetzung: morphologisch unspezialisiert, euryphag

    6. Nachahmung

    Voraussetzung: Willkürbewegungen und Reafferenzen

    Liefert Vorstufen zur tradierbaren Wortsprache

    7. Tradition

    Erlerntes Wissen von einem Individuum
    gegenerationsübergreifend auf ein nächstes

    Bildung freier Symbole macht Tardiotion objektunabhängig

    Allen 7. Leistungen gemeinsam:

    Hiatus zwischen Sensorik und Motorik

    Back to top







    VIII. Kapitel Der menschliche Geist

    Schaffung von Symbolen ist spezifisch menschlich

    keine Disjunktivität und keine Kontinuität

    Hiatus: nicht horizontal, speziesabhängig, sondern
    vertikal, funktionsabhängig

    Hiatus zwischen Objektiv-Physiologischem (Leib) und Subjektivem
    (Seele)
    ist

    - unüberbrückbar (auch nicht durch Wissen)

    - prinzipiell anderer Natur als der zwischen Anorganischem und
    Organischem sowie zwischen Tier und Mensch. Diese sind
    überbrückbar, wenn auch Zwischenformen instabil sind
    (ausgestorben) und sehr schnell durchlaufen wurden

    Prinzipielle Unüberbrückbarkeit heißt:
    wissensunabhängig, Eigengsetzlichkeiten des Erlebens
    könne nicht aus der Struktur neurophysiologischer
    Oragnisation erklärt werden (Widerspruch zum Hypothetischen
    Realismus)

    Andersartigkeit des menschlichen Organimsus: zunehmende
    Genomunabhängigkeit, geistiges Leben

    2. Vererbung erworbener Eigenschaften

    Entstehung objektunabhängiger Tradition

    Kumualtionseffekt: Weitergabe erworbener Eigenschaften

    -- Beschleunigung der

    3.Geistiges Leben als Überindividuelles

    Soziales Zusammenleben --aus der Integration kognitiver
    Fähigkeiten entsteht begriffliches Denken und syntaktische
    Sprache -- Kultur

    Weitergabe folgt anderen regeln als im Tierreich:

    4. Soziale Konstruktion des Wirklichen

    WBA + geistiger und kultureller Überbau als
    Hypothesenrahmen für ontogenetischen Wissenserwerb

    Zweite Natur des Kulturapparates

    Menschwerdung ist die Fulguration der kumulierbaren Tradition
    und das menschliche Gehirn ist ihr Organ




    Vererbbarkeit erworbener Eigenschaften = kumulierbare Tradition

    Back to top









    Kritik

    Zirkularitätsvorwurf: wissenschaftliche vs. mesokosmische
    Erkenntnis?

    Anpassungsproblem und Äquivalenzpostulat:
    Strukturähnlichkeit zwischen biologischen Phänomenen
    (Lernen, Evolution) und Erkenntnisleistungen

    Anpassung ist ein Geltungsproblem: nicht alle Funktionen sind
    arterhaltend und nicht alle arterhaltenden Funktionen sind
    akzeptierbar.



    Stegmüller:

    WT = Nachfolger von ET

    WT:

    - Rationalitätszugeständnis: Wiss. liefern wahre
    Ergebnisse

    - rekonstruktiv

    explikativ-normativ vs. erklärend

    Begriffsexplikationen Hypothet. Charakter

    log. Rekonstruktionen Legitimation: Erklärungsleistung

    nur logische Begriffe verwendbar Prognosefähigkeit

    (WahrscheinlichkeitsT)

    normativ: klass. Begründungsaspekt

    Norm: Verifikationskrit., Falsifikat.krit.

    gegenseitige Anpassung von Norm und

    Praxis

    -- EE keine explikative Theorie, da

    - sie

    Shift: Metaphysisch erklärende Theorien werden durch
    empirisch erklärende Theorien verdrängt

    Philosophisch: Erkenntnismetaphysik

    Empirisch: EE

    1.) Empirische Ergebnisse

    2.) Konfrontationskurs mit Erkenntnismetaphysik: Anwendung der
    ET zur Erklärung des Erkenntnisproblems



    Erkenntnis

    logisch: Erkennen als vs. Kennen





    Erkenntnis

    a) als Produkte: vorwissenschaftliches Alltagswissen und
    Theorien (Ephänomene) --explikativ

    b) als Dispositionen oder Fähigkeiten --- explanatorisch

    jedoch: Die EE beschäftigt sich nicht mit der
    Erklärung von Dispositionen wissenschaftlicher Erkenntnisse

    Dafür existiert bis dato nur die WT

    Daraus folgt jedoch: die Anwendung hat ihre Grenzen, wenn es um
    die Geltung wiss. Theorien geht.

    Realismusproblem:

    God?s Eye View (Marsmenschen, fingierter Standpunkt)

    Korrespondenztheorie:

    - approximativ: Annäherung an den wahren Aufbau der Natur

    - Objektivität beobachterunabhängiger Wirklichkeit

    Mathematik und Entscheidungstheorie:

    wir vesrtehen viele Sätze, obwohl wir kein
    Entscheidungsverfahren angeben können -- Grenzen
    wahrfunktionaler Semantik (Traskisemantik, Gödel)

    Konsequenz: Wahrheit als
    epistemischer Begriff (begründete
    Behauptbarkeit)

    dagegen metaph. Realist: ontologischer Wahrheitsbegriff

    Punkt außerhalb epistemischer Kategorien (Archimedischer
    Punkt)

    zwei weitere Konsequenzen:

    1. Fertige unendliche Gesamtheiten -- Platonismus

    2. Wahrheitsfunktionale Semantik auch für Kausalaussagen-
    mögliche Welten-Problem

    Epistemologischer Wahrheitsbegriff:

    Relativierung und Akzeptierbarkeit unter idealen Bedingungen

    oder Referenz ohne Episteme nur durch rigid designation
    über Kausalkette

    Back to top
  • Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

    Skripts: Dadaismus
    Eingestellt von Wolfgang Melchior am 07. 02. 2002 (725 mal gelesen)
    Thema Arbeiten in der Germanistik
    Arbeiten in der Germanistik Wolfgang Melchior schreibt:

    Der Dadaismus


    Die Krise der Literatur:

    Drei Wege:

    1.) Politisch-revol. Richtung: Mühsam,
    Toller

    2.) l´art pour l´art: Ästhetizismus:
    Hans Arp

    3.) Dekonstruktion: Zerstörung
    traditioneller Sprache zum Aufbau einer neuen Sprache, die zur
    Essenz der Dinge vorstößt: Hugo Balls Essentialismus

    a) Bedeutung: Zerstörung des
    Satzes

    b) und sogar: Sinn: Zerstörung
    der Sprache und der Worte

    Zwei gegensätzliche Konzepte

    Hugo Ball

    "Alle Dinge sind nur noch in
    der Zersetzung denkbar"

    1. Phase:

    Preisgabe des Satzes: Herauslösen
    der Worte (Isolierung = Freiheit)

    und Preisgabe des Wortes, die nur
    noch als Vokalbel stehenbleibt

    -Simultangedicht (=Lautgedicht):


    -Stimmorgan vetritt die Individualität

    - Verschlungenheit der Individualität
    mit dem mechanistischen Prozeß

    - Kunst nicht Selbstzweck, sondern
    Weltverständnis

    - Laut ist der letzte Bezitrk der
    Sprache der nicht präformiert und besetzt ist

    - dionysisches Element:

    * Glossolallie ist die rauschhafte
    Verzückung, göttliche Entrücktheit

    * Laut ist die Ürsprünglichkeit

    Die Wortmystik: Glaube an etwas ursprünglich
    Reines (Kindervorstellung)

    "Wortalchemie" (Ball)

    Einheit von Sprachskepsis und Sprachglaube:
    vollendete Skepsis bringt vollendete Freiheit, die im Chaos mündet.
    Aus Chaos entstehen "Grundbilder", die den Glauben an
    das Wort und durch das Wort wiedereinesetzen


    Beispiele: Gadji beri bimba, Die
    Karawane

    2. Phase:

    Religiöse Gedichte, Mystizismus

    Historische Themen: "Die Folgen
    der Reformation", "Kritik der deutschen Intelligenz"

    Ziel: Desavouierung des protestantsichen
    Preußentums als Inbegriff von Systematik und der Katholizismus
    als barocke Lebensbejahung.

    Magische Bennung --> Quasi-Identitäten
    schaffen (Nominalismus)

    Drei Dinge der Kunsterschütterung:

    - der Massenmesch

    - Entgötterung der Welt

    - Auflösung des Atoms in der
    Wissenschaft

    --> Verschwinden von Sinn

    nicht lingua adamica, sondern lingua
    divina: Versubjektivierung der Sprache.



    "Flucht aus der Zeit"

    Die Trennung von Ich und Gesellschaft
    = Künstler und Gesellschaft

    Betrug als Selbsterhaltung (gegen
    den Expressionismus):

    Der Künstler betrügt sich
    selbst, wenn er für alle spricht

    Gestalten = sich abgrenzen gegen
    das bereits Gestaltete

    Bilder der freischaltenden Imagination
    (Surrealismus) sind bereits gestaltet --> Täuschung der
    Ursprünglichkeit

    Kritik am Expressionismus: Abstraktheit
    wird mit Primitivität verwechselt

    Freiheit mit Herrengestaltungswahn

    doch: auch der DADAISMUS kann sich
    dem Gestaltungswahn nicht entziehen: "Dichten wird das Leben
    täglich um, Neuschöpfung!

    Alle Dinge sind nur noch in der Zerssetzng
    vorhanden


    Simultangedicht: nimmt diesen Zersetzungsgedanken
    ernst und wendet ihn gegen sich selbst

    "Wert der Stimme": "..zeigt
    die Verschlungenheit des Menschen in den mechanistischen Prozeß"

    Sprachskepsis = vollendete Freiheit:

    Futurismus: Befreiung des Wortes
    aus dem Satz

    Dadaismus: magische Erfüllung
    der Vokalbel, die einen neuen Satz beschwört, Preisgabe des
    Wortes, Ruckzug in die Alchemie ds Wortes

    Rimbauld: Patron unserer vielfachen
    Posen, Stern der ästhetischen Desolation

    Lautgedichte: nach musikalischen
    Gesichtspunkten konstruierte Verse


    2. Hans
    Arp


    Spielerei

    lárt pour l´art

    romantische Sehnsucht nach dem Ursprünglichen:
    verzauberung durch das erratische Wort

    Wohlklang und Harmonie

    "Kaspar ist tot": romantische
    Vokabeln: idyllisch, Naturmetaphern


    3. Hans Serner - die Künstlerproblematik

    Mottos in Letzte Lockerung

    "Jeder sein eigener Papst"


    "Die Welt will betrogen sein.
    Sie wird aber sogar ernstlich böse, wenn du es nicht tust"

    "Banalisiere immer"

    "Dramatisiere nie"

    "Vereinfache immer"

    Gegensatz von Ich zu

    - Gesellschaft als dem Anderen

    - der Welt, die sich dem Erkennen
    widersetzt ("Die anderen sind die Unfreiheit")

    Zuwendung zu Verbrechern: nur durch
    Verbrechen wird die Gewalt des Staates gebrochen, nur dadurch
    wird keine Pflicht anerkannt

    Außenseitertum soll die Entfremdung
    stilisieren

    Kunst muß auf ihre Authenzität
    hin überprüft werden


    Abgrenzung:

    "Frechheit als Waffe" oder
    die Funktion des Publikums:

    a) einmal als Objekt des Skandals,
    der Zuschauer nicht mehr als Konsument, sondern als Opfer seiner
    eigenen bornierten Kunstrezeption

    b) als Gegenstand der Abgrenzung
    des Künstlers: Demonstration der heroischen Hermetik des
    Künstlers

    c) als Instrument küstlerischen
    Chaos: lancierte Falschmeldungen, gefakte Club- und Vereinsgründungen
    --> Öffentlichkeit wird selbst zum Mittel der Selbstdarstellung




    Protest: sprunghaft, unberechnebar
    und permanent

    Rauschhaftigkeit des Ausbruchs


    DADA als Vereinheitlichungsbegriff

    1.) DADA als Dekonstrukteur und Sprachkritiker

    Betonung des Individuellen vor dem
    Allgemeinen:

    des Wortes vor dem Satz und der Syntax,
    des Buchstabens vor dem Wort, des Klangs vor dem Zeichen

    Befreieung der Referentialität
    der Worte:

    - auf bestimmte Gegegnstände

    - auf Gegenstände überhaupt

    Fallenlassen der Worte: Worte -->
    Laute (Vers ist eine Gegelegenheit möglichst ohne Sprache
    und ohne Worte auszukommen)

    Worte sind keine privaten, sondern
    öffentloche Angelegenheiten


    Sprachkrise

    Sprache nicht mehr als ästehetisches
    Gestaltungsmittel, sondern als Konstrukteur von Welt (Ausdruck
    des Erkennens)

    Sprache als System von Normen nicht
    mehr als Gestaltungsmittel wird zum Hindernis des Eigentlichen

    Nietzsches Begriffskritik: Begriff
    ist die Wiederholung des Gleichen als Vereinnahmung des Verschiedenen

    Sehnsucht + Skepsis = Mythos

    DADA ist:

    -präsentistsich

    - indifferent: offen für Vielfalt

    - ich-unmittelbar

    - ihrem Material und nicht der künstlerischen
    Ausdruckswillen gerecht ("magische Vokalbel")

    - ein Akt des Entstehens und nicht
    sein Resultat ("aus dem Nichts")

    - Deviativ: Abweichung vom allgemeinen
    Verwednugszusammenhang entweder durch Rekombination von Bekanntem
    oder Atomisierung --> Mythos des Neuen und

    DADA als Kritik am System (negativ)
    als auch Ausdruck einer Unmittelbar (Schöpfergott), ein Weiter
    und ein Zurück zum Primitiven

    -

    Das Material für die Kunst ist
    beliebig, es muß nur geformt werden

    2.) DADA als Antikunst

    2.1. Antiexpressionistische Kunst:
    gegen die Verinnerlichung des Ausdrucks


    3.) DADA in der Zeit:

    3.1. Aktionskunst als antihistoristische
    Kunst



    4.) DADA und der Künstler

    Cabarett Voltaire steht in der Tradition
    der Künstlergesellschaften

    siehe Kritik Hülsenbecks: Salon
    für kunstbeflissene Bourgeoisie

    Unwillkürlichkeit der Worte
    ---> Surrealismus und escriber
    automatique


    Wortkunst

    künstelerische Logik, vs. Verstandeslogik

    Wort vs. Satz: Wort als Konnotat
    vs. Wort als Funktion

    Frage: subjektive Anordnung und Auswahl
    -->Willkür und Zufall

    Kunst ohne Adressat und Interpretation:
    Dichtung ist die Sichtbarmachung von Bildern, nicht deren Vermittlung
    (Walden) =>

    a) Wittgensteinscher Gegensatz von
    Zeigen und Sagen: Sinn ist in actu

    b) Voraussetzung: Offenbarung

    Walden, Herausgeber des "Sturm":

    Matrial der Dichtung ist das Wort,
    Form ist der Rhythmus (anstatt Metrik)

    Rhythmus ist die Bewegung des Gedankens
    - Der Gedanke ist in Form eines Bildes vorrätig

    Gleichnis ohne Rücksicht auf
    die Erfahrungswelt ("höhere Form")

    Das Bild als



    Tonkunst vs. Dichtkunst

    Tonkunst benennt das Material eindeutig

    Die Entstehung des Wortes DADA

    - in einem Gedicht Balls von 1914:
    Verdoppelung von dort/da

    - Pluralität und Universalität:
    in mehreren Sprachen verchiedene Bedeutungen

    - viele Erfinder: Hausmann (Am Anfang
    war DADA)


    Geschichte

    1. Kunst

    1908 Kandinsky abstraktes Kunstwerk,
    Kubismus

    Worringers "Abstraktion und
    Einfühlung"

    1909 Futuristsisches Manifest

    Expressionismus und der "Sturm":
    Rhythmus als Bewegung des Gedankens, Gedanke als Bild und der
    Rhythmus ist dessen Ablauf

    1911 Salon des Independants von Picabia
    und Duchamps

    Kasimir Malewitsch: Suprematismus
    und die Theorie der gegenstandslosen Empfindens, keine Welt als
    Wille oder Vorstellung


    5.) DADA und Nietzsche

    I.) Futurismus und Marinetti als
    Vorstufe des Dadaismus

    1. Befreiung der Worte aus dem Satz:
    Zerstörung der Syntax, zufällige Anordnung der Substtantive,
    keine Zeichensetzung (parole la liberta)

    2. Analogie als Zeichen der Zeit:


    a) Erhöhung der "Fluggeschwindigkeit"
    --> Verschmelzung von Bild und Gegenstand und dessen Wiedergabe
    in einem Wort (keine Partikel wie, gleich usw.)

    b) Polyphonie und Simultaneität
    der Welt

    3. Dichtung ist ein engmaschiges
    Netz von Bildern komprimiert in Worten

    4. Prinzip der größtmöglichen
    Unordnung

    5. Zerstörung des "Ich":
    Mensch als museales Wesen --> Mensch als lyrische Besessenheit

    6. Intuitive Psychologie der Materie:
    nach dem Menschen als Lebewesen kommt der Mensch als Maschine
    als Ersatzteillager

    der futuristische Held ist der Nietzscheanische
    Übermensch

    II.)


    Dadaist als Anarchist

    1. Außenseiterexistenz innerhalb
    der bürgerlichen Gesellschaft

    2. Negation und Destruktion von Normen:
    Normverstoß als Selbsterhaltung, da Normen Verständigungsmittel
    der bürgerlichen Gesellschaft sind

    3. Selbststilisierung ---> Selbstbehauptung
    innerhalb der Massengesellschaft


    Bewegung und Stillstand

    Ausgangspunkt: Im Fortschritt reproduziert
    sich das Alte immer wieder

    Bewegung per se wird zum Formprinzip:
    Sprunghaftigkeit, Skandal

    Schöpfermythos als Vitalismus:



    Historische Wurzeln

    Bohemekunst

    Großstadtmilieu als Nährboden:

    Marginalisierung des Künstlers
    und Ausdruck seines Selbstbehauptungswillens

    große Gestaltungsmöglichkeiten
    (liberale Moral) vs. Angst vor dem Verschwinden





    Vitalismus:

    Tod und Lebensmetapher


    Kurt Schwitters:

    Von vielen UrDADAS als Kleinbürger
    abgelehnt

    von Hausmann von Hannover nach Berlin
    geholt

    Merzausstellungen 1918/19

    Gedichte:

    Demontagetechnik: Versatzstücke
    massenmedialer Umwelt neu rekombiniert

    Verben werden
    substantiviert

    Anna Blume:

    - nicht Schock, sondern Verwirrspiel
    mit barocker Liebeslyrik

    - Wortinitiation: Auf einer Schiffsplanke:
    "Anna Blume hat einen Vogel" oder Handtänzerin
    eines Varieteés (Arnold)

    --> Suche nach dem Referentiellen
    war gewollt

    - Anna Blume ist selbstreferentiell:
    Geliebte meiner 27 Sinne = Alphabet

    - Typographisches: Die Preisfrage
    ist nach einem Syllogismus aufgebaut, der jedoch falsch ist

    --> Kunst verweigert sich gegenüber
    der Logik: alter dadaistischer Topos, daß "Kurzschlüsse"
    nicht mehr funktionieren (Ball: "Alles funktioniert, nur
    der Mensch nicht mehr")

    - Komplemantarität der Farben:
    rot-grün, blau-gelb

    - Reimzwang

    - Grammatikalismus: wie Schulübungen:
    du, deiner, dich, dir...

    - Drei Ebenen: Ich, Du, die Leute

    - Verschmelzung der Person mit ihrem
    Namen: du bist von vorne wie von hinten

    Übergang zum Collagismus:


    "Untergrundgedicht"

    Erinnern an Bennsche Großstadtgedichte
    (Berlinzyklus)

    Merz als Gesamtkunstwerk: Collagetechnik




    En avant Dada (Richard Hülsenbeck)




    "Und ich, der Allophage

    verliebt in deine Heizanlage"



    Die Einheit: Wort und Bild sind eins.
    Maler und Dichter gehören zusammen


    Bruitistsisches Gedicht: "Ende
    der Welt", "Der Baum"


    Welt in Auflösung, die nicht
    mehr durch ein lyrisches Ich zusammengehalten werden soll und
    kann --> Verselbständigung der Bilder gegenüber ihrem
    Gehalt (futuristsische Tradition)

    Essentialismus: "eine Trambahn
    wie sie ist, die Essenz der Tarmbahn"

    Simultangedicht

    "Phantastsiche Gebete",
    Regieanweisungen

    Auflösung einer zeitlichen Ordnung

    Verschlungenheit des Menschen in
    dem mechanistischen Prozeß: Widerstreit der vox humana gegen
    den Rhythmus der Welt

    Kausalität --> Gleichzeitigkeit
    großstädtischer Eindrücke:

    Hintergrundrauschen, Stimmen

    handelt vom Wert der Stimme gegenüber
    ihrem Produzenten

    aber "Sängerkrieg an der
    Spiegelgasse" (Hülsenbeck)

    Durcheinandrjagens aller Dinge

    Klanggedicht oder Lautgedicht

    "Krawane"

    2. Ballsche Phase: Laut vs. semantischer
    Gehalt

    Theatralisierung und Lithurgisierung

    Zufall, aber nicht Willkür als
    Konstruktionsprinzip

    Verse ohne Worte

    Collagenkunst

    Indifferenz des Materials -->
    Gesamtkunstwerk

    Aufgreifen von Vorgefundenem (Idiomatischer
    Redewendungen: "Einzahl, Mehrzahl, Rübezahl) und deren
    stereotype Parodie

    Stereotypen oragnsieren nur mehr
    Mikrokontexte, nicht mehr den Makrokontext

    --> Kaspar ist eben tot (Verlust
    des Transzendenten)

    Verstzstücke und deren Materialen
    verweisen noch:

    - auf ihre Verwendbarkeit

    - aber iher Heterogenität fügen
    sich nicht mehr in einen Verwendungszusammenhang ein

    Ready-made

    "objet trouve" Deauchamps

    Unsinnsgedicht (vor allem Arp)

    "Pyramidenrock": Herr Je
    das Nichts ist Bodenlos, Frau Je das Nichts ist unmöbeleirt"

    "Die Wolkenpumpe"

    Semantische Unverbindlichkeit



    Ursonate:

    Sonatenhauptsatzform

    Exposition

    Durchführung

    Reprise


    Unterschied zur Konkreten Posie eines
    Gomringer und Jandl:

    Nicht das Material selbst wird thematisert,
    sondern noch als Gestaltungsmittel belassen

    Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

    Skripts: Der aufgeklärte Absolutismus
    Eingestellt von Wolfgang Melchior am 07. 02. 2002 (1225 mal gelesen)
    Thema Arbeiten in der Geschichte
    Arbeiten in der Geschichte Wolfgang Melchior schreibt:

    Der aufgeklärte Absolutismus


    1.) Epochenüberblick:

    1.1. Europa vor dem dem Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus:

    1.1.1. Frankreich unter Ludwig XIV.
    und die Reunionskriege:
    - Devolutionskrieg gegen Belgien
    - Krieg gegen Lothringen und dessen militärische Besetzung

    2. Raubkrieg gegen die Geenralstaaten

    Ziel. "Rückeroberung"
    aller Gebiete Karls des Großen "legitimiert durch Reunionskammern

    Frankreichs Innenpolitik:
    Rekatholisierung des Landes
  • durch Benachteiligung der Hugenotten (Mischehenverbot, Berufsverbote)
  • durch Vertreibung der Hugenotten ab 1679
  • durch Aufhebung des Toleranzedikts von Nantes von 1598 im Jahre 1685 (Heinrich IV. von Frankreich: Gewissenfreiheit, staatsbürgerliche Gleichstellung der Reformierten, Katholizismus als Staatsreligion)

    1.1.2. Die Spanische Erbfolge:

    Habsburg und Frankreich Ansprüche
    wegen dynastischer Erbfolge

    England und Holland sahen ihre überseeische
    Handelshoheit durch ein Zufallen Spaniens an eine europäische
    Mittelamacht bedroht

    Spanischer Erbfolgekrieg 1701-1713:

  • 1. Plan Williams III. von England (Teilungsplan von 1698): Teilung Spaniens und Kurprinz von Bayern als Kronprätendant

    - neue Situation:
    a) Tod des bayer. KronprinzenJosef
    Ferdinand
    b) Karl II. von Spanien: Testament
    gegen eine Teilung. Ludwig XIV nimmt an


    Pietismus und Lutheranismus

    Protestantismus: hervorragende Stellung des Staates in klerikalen Angelegenheiten

    Das Prinzip des Terretorialismus:
    Leitung der Kirche ist keine spirituelle Frage, sondern eine Frage
    der terretorialen Macht und Integrität --> Landesherr
    ist nicht Notbischof, sondern Wahrer kirchlicher wie überhaupt
    religiöser Ordnung

    = Geistliches Regiment ist der
    Annex einer Terretorialgewalt


    Pufendorf zwei Thesen:

    1. Religionsfreiheit für jeden

    2. Beaufsichtigung der Konfessionen
    durch den Staat (Visitation, Inspektion = Ius circa sacra)



    2.) Die Priorität des Militärisch-wirtschaftlichen
    vor dem Religiösen: Klerus wird zum halbbeamteten Apparat

    Folge beider Tendenzen: "Steinkirchentum":
    Kirche zieht sich auf mystische und spirituell-scholastische Fragen
    zurück


    Pietismus:

    Speners "Pia desideria"
    von 1675

    Programmatik:

    1.) Subjektivierung

    2.) Aufgreifen von Problemen der
    Arbeitswelt: Erziehung zur Hygiene, schlichte Lebenshaltung

    3.) Armenhilfe (Francke)

    4.) Unabhängigkeit vom Staat:
    "weltweiter Reich-Gottes-Kapitalismus" Franckes

    2.) Der Begriff des aufgeklärten
    Absolutismus


    2.1. Gottesgnadentum und Souveränität
    (in nuce Staatsraison) - der Absolutismus


    2.1.1. Innenpolitik

    Herausbildung des Begriffes
    der Staatssouveränität durch Jean Bodin (in: Six livres
    de la République): Souveränität ist die "puisssance
    absolute et perpétuelle de la république"

    sie bedeutet:

    - unumschränkte Gesetzgebungsmacht
    (absolutistischer Legalismus)

    - Einheit von legislativer, exekutiver
    und judikativer Macht

    - da der souveräne Herrscher
    Gottes Abbild ist, kann er nur das Rechte wollen, weil Gott durch
    ihn will.

    - jedoch dadurch: Verantwortung vor
    den Gesetz Gottes und der Natur

    - Zentralismus: Zentralisierung von
    Macht

    Grenzen:

    - Organisationsgrad des Staates (Bürokratie,
    Provinzen)--> Deligierung von Macht an Zwischengewalten (Adel,
    Kirche, Städte)

    - Thronfolge/dynastisches Recht:
    Primogenitur, eheliche Kinder

    - christliche Gebote und die Selbstverpflichtung
    des
    Herrschers.


    2.1.2. Außenpolitik

    nach dem Westfälischen Frieden:
    Religion nicht als Impuls, sondern als Vorwand für einen
    "Staatsegoismus":

    - Expansionismus

    - Machtpolitik: Defektion als Erwartungszustand
    (Verträge sind Instrumente des Vorteils oder Höflichkeitsformeln),
    Nullsummenspiel (was dem einen nützt, schadet dem anderen)

    Absolutheit der Macht: bedeutete
    Unabhängigkeit von Ständevertretungen

    2.1.3. Merkantiles System (Colbertinismus)

    Reichtum = Besitz von Edelmetall
    (Gold)

    aktive Handelsbilanz: Exportüberschüsse:

    - Beseitigung von Binnenzöllen

    - Schutzzölle

    staatliche Wirtschaftslenkung -->
    Entmachtung der Zünfte durch Manufakturgründung bzw.
    deren Subvention

    Peupelierung: Geburtensteigerung
    und Einwanderung werden gefördert



    Naturrechtslehre: Grotius, Pufendorf

    Rationalismus: Leibniz, Wolff



    Gesellschaftl. Wandel:

    Beginn einer Auflösung der
    Ständegesellschaft:

    das preußische Landrecht: Adel
    noch der "Erste Stand im Staate", jedoch Adel war gebunden
    durch die Erlangung der höheren Offiziers- und Beamtenstellen
    durch Bestechung

    Geburtsstand --> Stellung im Staatsdienst

    Geburtsstand --> Qualifikation
    (meist universitär)

    Ausdruck der Säkularisiierung
    war die Bedeutungszunahme des Militärs (Offizierstracht Friedrich
    Wilhelms I.)

    allein der Bedarf an Offizieren führte
    zu einer Zunahme bürgerl. Offiziere (bes. im Siebenjährigen
    Krieg)

    dagegen Österreich: Bürgerl.
    im Offizierdienst wurden nachtr. geadelt


    Eine neue Öffentlichkeit und
    das neue Selbstbewußtsein der Intellektuellen:

    ´der öffentliche Vernunftgebrauch
    macht den einzelnen zum Weltenbürger gegenüber dem Staatsbürger,
    der den Privatgebrauch der Vernunft im Dienste desselben abverlangte
    (Kant) 1784

    Eindringen bürgerl. Intellektuellen
    in die Höfe

    Friedrich d. Große reagierte
    darauf: Gebildetheit wird zum Maß der Qualität eines
    Herrschers


    Aufgeklärter Absolutismus (Artikel
    in: Handbuch der politischen Ideen)

    AA ist ein Phänomen der zweiten
    Hälfte des 18. Jh.s

    drei Kräfte: die Freiheit des
    citoyen, die ständische Verfassung und der absolute Monarch

    1.) Das kontraktualistische Element

    Säkulariserung von Herrschaftlegitimation:
    Verantwortung vor Gott --> "rational erklärbares
    System sozialer und staatsrechtl. Formen" (v. Aretin)

    Selbstgeben von Herrschaft durch
    den freien Willen von Menschen

    Ziel: Wohlfahrt: "le bien-être
    du plus grand nombre"

    Staatsbürgerlichkeit: Fürst
    als Untertan des Staates

    2.) das paternalistische Element

    Friedrich II.:

    - Volk als "träge Masse",
    daher ist es nicht aktiver Entscheidungsträger, sondern Adressat
    obrigkeitsstaatlichen Handelns

    - organologische Metaphern:

    * Haupt und Körper als Monarch
    und Volk. Der Monrach muß für das Ganze handeln

    * Vater und Kinder

    - Rehabilitierung Machiavellis

    Joseph II: (Denkschrift über
    den Zustand der österreichischen Monarchie, 1765)

    - Dienstbarmachung der Indi




    Reformismus: Ausweitung staatlicher
    Tätigkeit auf viele Bereiche, die zuvor entweder ständisch
    intern geregelt wurden (Justizwesen, Religion, Landwirtschaft)oder
    überhaupt nicht (Bildungswesen)


    Expansionismus und Krieg:

    - Kriege werden aus Vaterlandsliebe
    und nicht aus Gründen der Vergrößerung der Hausmacht

    (patriotischer Ruhm statt persönlicher
    Ruhm)

    -
    Berufsheere

    - begrenzte Kriege mit engabgesteckten
    Zielen (siehe Friedr. Glkeichgewichtstheorie)

    Rechtssprechung:

    - Kodifizierung

    - Abschaffung der Folter

    - Vereinheitlichung und Vereinfachung:
    Ausrichtung an "Rationabilität und Verständlichkeit"
    und trotzdem Rücksicht auf provinzielle Eigenheiten (siehe
    Herder)


    ERZIEHUNGSLUST

    Schulwesen:

    - Maria Theresia: Einführung
    der Schulpflicht vom 6.-12. Lebensjahr (Volksschulgesetz von 1794)

    Kirche:

    - wird esrtmals zum Politikum, in
    dem Sinne, daß nicht die Kirche den Staat instrumentalisiert,
    sondern umgekehrt (siehe Maria Theresias Volksschulgesetz)

    - Verbot des papistischen Jesuitenorden

    - STAATSKIRCHENTUM: die Staatsgewalt,
    gerade Friedrich d. Großen, duldete keine Macht neben der
    eigenen:

    Auflösung kirchlicher Autonomie
    durch

    - Streichung von Feiertagen

    - Gründung einer geistlichen
    Hofkommission als neue Kirchenexekutive

    - Gründung von Bistümern

    - Ernennung zur Advocatrix eclessiae

    - Besteuerung des Klerus



    2.) Friedrich II.

    Person

    Schriften:


    Antimachiavell

    1. Quelle von Herrschaft:

    "was wohl freie Menschen bestimmen
    konnte, sich selber einen Herren zu geben":

    - Ruhe

    - Selbsterhaltung

    - Schutz des Eigentums

    Herrscher als Schlichter, aus der
    Mitte des Volkes, Interessenzusammenfasser

    kein unumschränkter Gebieter,
    nur der erste Diener des Staates

    Drei rechtmäßige Herrschaftslegitimationen:

    - durch Erbfolge

    - durch Wahl durch zur Wahl ermächtigte
    Völker

    - durch Eroberungen in einem gerechten
    Krieg

    2. Herrscher als Kriegsherr

    - wie Machiavelli: Haupt der strafenden
    Gerechtigkeit (Gewaltmonopol)

    - ehrfurchtsgebietend für die
    Generale, die nur auf ihren Ruhm bedacht sind

    - Displinarisch wirkend


    3. Ruhm

    Masse und aufgeklärter Mensch:
    Ruhm nach Schein vs. Ruhm nach Verdienst und Beweggründen

    Grenzen des Rechts

    Religion nicht als Deckmantel

    Seelengröße: Strafen hinter
    der Kränkung, Belohnung über den verdienst hinaus geben



    Außenpolitik:

    - keine Bündnisse mit Mächtigeren
    Partnern

    - keine Neutralität

    Erweiterung nicht allein durch Eroberung,
    sondern durch "zur Blüte bringen aller Werktätigkeiten
    und Wissenschaften", die "unschuldiger und gerechter
    ist und dabei genauso gedeihlich".

    Für das Leben notwendige Tätigkeiten:
    Landwirtschaft, Handel, Gewerbefleiß (Industrie)

    letztere bringt am meisten Gewinn
    und Nutzen (Berufung auf Merkantilistisches System: bringt Geld
    durch Zölle

    "Diese verschiedenen Mittel,...,
    sind der fürstlichen Weisheit anvertrauten Pfunde; der Fürst
    soll damit wuchern, soll sie nutzbringend anlegen." (S. 12)

    Zeichen für den Wohlstand: Stand
    der Künste und Wissenschaften

    "Wie die Weisen die Leuchten
    der Welt sind, so sollten sie eogentlich deren gesetzgeber sein"
    (S. 13): Wissenschaft und Kunst als Tugendbildner (nach Cicero)

    4. Ratgeber der Fürsten

    Zwei Arten von Fürsten:

    - Selbstregierende: Exekutive in
    ihrer Hand: alles geht durch ihre Hand; Minister sind Werkzeuge
    in ihrer Hand (Analogie zu Gott und deren Vollstreckern auf Erden)

    Minister nur Arbeitserleicherung

    - Ministerial eregierende Fürsten:
    gleichgültig, träge; Fürst "nur das Werkzeug
    seiner Minister"

    Minister werden zum best. Moment
    für das Wohl des Volkes


    daher: Kontrolle der Minister, Belohnung
    ihrer Treue (Tugend muß sich lohnen), Konstanz



    besser als
    dauerndes Auswechseln von fehlenden Ministern

    F. kennt nur zwei Arten: Minister
    für Inneres (hier gefragt: Redlichkeit) und Äußeres
    (Flexibilität)


    5. Diplomatie und der gerechte
    Krieg


    Ziel aller außenpolit. Aktivitäten:
    Gleichgewichte der Kräfte zur Aufrechterhaltung der Ruhe

    Krieg ist das letzte Mittel der Politik

    Wegen des Fehlens einer überfürstlichen
    Rechtsinstanz ist der Krieg das einzige Mittel zur Rechtssicherheit!

    Vier Arten gerechter Kriege:

    - Verteidigungskrieg

    - Bündniskrieg

    - Präventivkrieg

    - Krieg zur Aufrechterhaltung des
    Gleichgewichts






    Vergleich:

    Allg.:

    Friedrich II. Joseph II.

    Anerkennung regionaler Eigenheiten
    (P LandR) Hinwegsetzen über regionale Eigenheiten
    *Krone Ungarns

    *Einteilung in neue
    Verwaltungseinheiten)

    * Amtssprache deutsch

    Rechenschaft nicht nur Gott, sondern
    auch Rechenschaft nur vor Gott als Verkörperung
    eines höheren Vernunftprinzips


    vor dem Volk als der Sachverwalter
    ihres

    Vermögens


    Berücksichtigung ständischer
    Verfassungen staatsbürgerliche Gleichheit vs. despotischer
    Absolutismus

    Zentralismus:

    Unter einem Prinzip, Regeln, deren
    Einhaltung er Unter seiner Person

    überwachte (persönlich
    und via neugeschaffener

    Institutionen)

    abstrakt: Polizeistaat, Überwachungsstaat
    persönlich: absolutes Regime

    Bauernfrage: Frondienst und Leibeigenschaft

    Kirchenrecht:

    Glauben ist Privatsache Glauben
    untersteht dem Staat: Staat hat Oberheit über die
    katholischen Kirche

    kaum Opposition in den

    Psychologische Unterschiede:

    unnachgiebig ungeduldig: paternatlistisches
    Moment öffentlich; während Maria Thereia ihren
    konfessionellen Reformkurs innerhalb von Institutionen
    durchsetzte, machte dies Joseph II. offen und gegen
    tiefverwurzelte Sitten


    Verwaltungswesen

    Neuanfachung eines Privilegienkampfs:
    Umverteilung

    nach neuen Kriterien:

    ausschlaggebender Faktor: Bildung
    einer Bürokratie mit

    neuem Kastengeist (normative Elite),
    relative Autonomie (Personalautonomie) und korporative Selbstbestimmung

    Kastengeist darf nicht mit einem
    bürgerlichen Selbstbewußtsein verwechselt werden, nachdem
    die Adeligen es verstanden, sich die höheren Verwaltungspositionen
    (Kammerpräsidenten, Landräte

    jedoch: Sinken des Funktionswertes
    des Adels, Adel definiert sich nicht mehr über ein erblichen
    Besitz von Privilegien, sondern über die Gewährung derselben
    durch den Fürsten und ihre soziale, d.h. berufliche Stellung
    (Titel)

    kulturelle Elite und Verdienstaristokratie

    Unzufriedenheit der Nichtadeligen
    ob ihrer Benachteiligung

    Ziel friderizianischer Politik war
    es

    - mit Hilfe der Bürokratie,
    das Junkertum in Schach zu halten

    - und gleichzeitig Bürokratie
    und Landadel gegeneinander auszuspielen

    repressiv: Weitere Benachteiligung
    der unteren Schichten

    Adel gegen Bürgertum = Antagonismus
    von adeligen und nichtadeligen königlichen Bedienten

    - Untertanengeist

    - Leistungsprinzip

    - Selbstachtung:

    * moralisch

    * politisch-staatstheoret.: Fürst
    war ihnen gegenüber verantwortlich

    keine bürgerrrechtliche Anerkennung
    (APL:

    natürliche (von Geburt an),
    aber Anerkennung

    Entfremdung des Autokraten

    - Personalverwaltung

    - verschleierte Opposition (negativ,
    obstruktivistisch):

    passiver
    Widerstand

    Wachsende Selbstbewußtsein
    und relative Eigenständigkeit

    Regierung hat zu Vollstrecken (executiren)



    Agrarpolitik:

    Stadt und Land: Landadel als Schwertadel

    Abschaffung der Erbuntertänigkeit:
    Fr. verspricht sich

    Freisetzung von Initiative, Landadel
    versus neuer Bürokratie

    jedoch: --> Einheitsfront gegen
    die Autokratie

    Regiebehörde 1786

    1748 Bauernschutzedikt: kein Bauerngut
    darf zu Rittergütern eingezogen werden

    In Schriften: humanitäres Ideal
    einer prosperierenden Bauernschaft

    In Praxi: nach 1763 Versuch, die
    Erbuntertänigkeit in Pommern zu beseitigen führte zu
    Eingaben und Beschwerden des Landadels, daß eine solche
    nicht bestehe

    Dabei konnte sich der Landadel auf
    die Hilfe der Bürokratie (Landräte als Inspektoren,
    Kammerpräsidenten) verlassen, die z.T. unter bewußter
    Verdrehung von Tatsachen dem Junkertum das Wort redeten

    In Ostelbien bestand die Möglichkeit
    eines Freikaufes nur auf dem Papier (Entsatzzahlungen), nachdem
    der Staat den Bauern keine Unterstützung zusichern wollte

    Ergebnis: Festsetzung der Frondienste
    (zeitl. Beschränkung)


    Wirtschaftspolitik

    Progressive Einkommenssteuer

    Festhalten am Prohibitivsystem

    Domänen: Früher Teil des
    Fideikomisses der Dynastie, jetzt Staatseigentum für Einkünfte
    und Nutzungen

    Förderung des Handels durch
    Kantonalspflichtbefreieungen von Handelszentren

    Verwaltungsstellen: Kriegs- und Domänenkammern

    Regie


    Kriegspolitik:

    Kantonreglement (1733): Rekrutierung

    mit bis zu 10 Monate Urlaub

    direkte Steuer (Contribution) indirekte
    Steuer (Akzise)

    70% der Staatsausgaben

    25% Soldaten in Berlin, bis zu 20%
    in anderen Grostädten

    Nobilität war Schwertadel, kein
    Verkauf von Adelstiteln

    König als oberster Kriegsherr
    (Polit. Testament 1752)

    Adelsschutz = Offiziersschutz Soldatenschutz
    = Bauernschutz


    Rechtspolitik

    Naturrechtslehre als Grundlage

    Trennung von Gesetz und Herrschaft,
    welches ihr übergeordnet ist

    Der Fall Müller Arnold:

    Ziel einer Kodifizierung: Vereinfachung,
    Verständlichkeit, Verkürzung und staatsbürgerliche
    Gleichstellung im Sinne einer Rechtssicherheit und Appelationsmöglichkeit

    Friedrich hegte Mißtrauen gegen
    alle korporatistische Expertenkultur der Justiz, diese hatte vor
    allem die Reibungslosigkeit von Geschäften zu garantieren
    und die Ordnung aufrechtzuerhalten

    a) Strafrecht: Humanisierung (1),
    Billigkeit, Verhältnismäßigkeit (2), Säkularsierung
    (3)

    (1) Abschaffung der Folter, keine
    Ächtung von Knastis

    Ziel des Strafrechts: nicht "Correction"
    (moralisch-religiös), sondern Abschreckung oder Vergeltung,
    aber durchaus mit sozialpräventiven Absichten

    (2) Einschränkung der Todesstrafe
    auf Kardinaldelikte


    Sozialpolitik

    Erhalt der adeligen Vormachtsstellung:

    APL und bereits 1740:

    Anweisung an Beamte Adelige nicht
    zu belästigen, Schutz ihres Besitzes, da sie dem Schutz und
    dem Erhalt des Landes dienen

    1752 (Polit. Testament): Aufgabe
    des Souveräns ist der Schutz des Adels, den als Juwel in
    seiner Krone bezeichnet

    Verachtung für das Volk

    die Umverteilung von Rittergitsbesitz
    in die Hände von Neureichen beendete er mit der Ordre, daß
    kein Besitzübertragung ohne pertsönliche Genehmigung
    zu erfolgen habe

    Jedoch: das neue Leistungsprinzip
    setzte den Adel unter Druck

    viele Bürgerliche konnten sich
    darauf berufen, durchFleiß und
    Pflichtbewußtsein mehr
    für den Wohlstand zu tun als der alteingesessene Junkeradel



    Entwicklung in Friedrichs Herrschaft:

    1740 humanitäre, unter dem Eindruck
    der Studien entstandene

    Entscheidungen:

    - Antimachiavell: Kontarktualismus

    - Justizpolitik: Abschaffung der
    Folter, Instanzenweg

    Antiklerikalismus: 1752 (polit. Testament)
    als Antipapsimus und

    Rationalismus, "Papst der Lutheraner"


    Wohlstandsstaat





    Drei Staatsbegriffe:

    1.) Wohlfahrtsstaat: das Wohlergehen
    der größten Zahl

    2.) Staat als Machtapparat:

    Joseph II. Denkschrift: Militärstaat,
    Finanzstaat und Politikstaat

    Untertanen sind "primerier objet",
    Interesse des Staates am Individuum ist seine Verwendbarkeit

    3.) Staat als politische Gemeinschaft:
    Regent ist verpflichtet gegenüber:

    - les sujet im Sinne von les particulier
    (Untertanen)

    - dem Kollektiv: les peuple, la nation

    - dem Staat (l´Etat)

    - später: la patrie

    dabei ist die systematische Spannung
    zwischen Einzelinteresse als l´amie propre (!) und Gesamtwohl,
    dessen balance der Fürst zu erreichen hat, aber: Primat des
    Gesamtinteresses

    Im Fürsten laufen Einzel- und
    Gesamtinteresse zusammen (Verkörperung desselben)

    dabei gehen deskriptive mit normativen
    Ansichten durcheinander:

    1.) Pflichtgedanke: der einzelne
    hat dem Gesamtwohl (Staat) zu dienen

    2.) Identität von Einzel- und
    Gesamtinteresse: Gegenseitige Abhängigkeit (Oragnische Metapher)

    3.) Konfliktfall: Regent hat balance
    zu suchen

    vergleiche: Rousseausche Differenz
    von volounté génèrale und volounté
    de tous







    Konzept für mündliche Prüfung

    1. Der Begriff des aufgeklärten
    Absolutismus

    a) Entstehung (historiographisches)

    Roscher 1847: AA als höchste
    Form des Absolutismus

    a) Zeitliche Verortung


    Konzepte:

    Machtaspekt:

    1.) Als Verfallserscheinung des Absolutismus:

    Der Versuch absolute Macht gegenüber
    einem staatsbürgerlichen Selbstbewußtsein aufrechtzuerhalten,
    führte zur Abtretung wesentlicher monarchischer Verfügungsgewalten.

    Marxistische Interpretation:

    - entweder als Täuschungsmnöver,
    Untergeordnetheit unter die großen Epochen (Übergangsphänomen)
    oder

    - als Verspätungsphänomen:
    Kompromiß zwischen rückständigen sozioökonomischer
    Entwicklung: feudale Bürgerlichkeit ohne bourgeoise Züge
    (Phasenverschiebung): AA ist die Errichtung eines polit. Überbaus
    ohne ökon. Basis zum Zwecke der Nachholung

    Lefebvre: geistreiche Spielerei

    2.) Als höchste Form des Absolutismus:

    Instrumentalistische Kategorien:
    Zentralisierung und Rationalisierung in Verwaltung und Militär
    vergrößerte sich die monarchische Machtfülle.
    Durch das pers. Regiment war die Entscheidungsgewalt immer noch
    in Händen des Monarchen

    3.) Herders Geschichtsdialektik:
    Absoltismus ist der notwendige Umschlagpunkt zu seiner Beseitigung.
    AA wird zur Fessel d. bürgerlichen Gesellschaft, der Absoltismus
    enthüllt erst die Schwächen des monarchischen Prinzips
    durch das Zulassen von Leistungsgesichtspunkten

    Entmündigung und Anreiz zur
    Eigeninitiative prallen aufeinander,


    Die zwölf Thesen von v.
    Aretin


    1. Veränderter Selbstverständnis
    des Herrschers: vom Gottesgnadentum hin zu einem Herrscher als
    pflichtbewußtes Vorbild (selbstbeschränkte Willkür)

    2. Reformismus ist grenzenlos -->
    Konflikt mit
    ständischen und individuellen Freiheiten

    3. Gegenseitige Instrumentalisierung
    von Aufkläreren und AA: AA ist Aufklärung, die Macht
    in praxi besitzt

    4. Appel an Pflichtgedanken ist ideologisch
    brüchig (Kodifikationismus, aber nicht Konstitutionalismus)

    5. Als praktisches Phänomen

    6. Nachholphänomen für
    kapitalistische Reformen

    7. Reformkatholizismus als revolutionäres
    Sonderphänomen

    8. Revolution von oben als Tradition
    (Lheritiers These der Kontinutät zum Faschismus)

    9. Sozialer Wegbereiter des Bürgertums,
    jedoch Konservierer von Adelsrechten: Grund: der Mangel an reformfreudigen
    Bürgerlichen (ökonom. Unterentwickeltheit) führte
    dazu, daß der Regent keine polit. Partner im Reformkampf
    hatte

    10. Gegenseitiger Ausschluß
    von A und AA: "Bündnis auf Zeit", der im Konstitutionalismus
    enden mußte

    11. Widerspruch zwischen A und AA:
    individuelles und etatististisches Freiheitsideal, Fehlen einer
    rev. Schicht, keine politische Mitbeteiligung

    12. --> Grund für den Kampf
    gegen Jakobinismus



    Realisierungsaspekt:

    Widersprüchlichkeit: paternalistisches
    und kontraktualistisches Element, Theorie und Praxis, persönliches
    Regiment und Freiheit (Sprengkraft d. Absolutismus), durch die
    Rationalisierung des zunehemnd komplexer werdenden Verwaltungsstaates
    wird der Staatsbegriff selbst zunehemnd weniger personal, sondern
    anonym (Zeichen dafür: Bürokrtismus in Preußen)

    keine bürgerliche Bewegung,
    jedoch mit bürgerl. Forderungen

    Grund für Dauer:

    - Naivität d. Aufklärung
    und Selbstüberschätzung intelleketueller Meinungsäußerung:
    öffentl. Meinung als Gegengewicht. despotische Allmacht

    - Widersprüchlichkeit der Aufklärung
    selbst: individualistischer (Kant, Rousseau) vs. traditionalistischer
    (ständische und nationale FreiheitenMöser, Moser) vs.
    elitaristischer (les philsophes) Zug

    - Konstitutionalismus: einmal im
    Sinne einer Rationalisierung (Vereineheitlichung; "Staatsplan),
    zum anderen als verpflichtender Kodex staatsbürgerlicher
    Gleichheit


    Säkularierungsschub: Abrücken
    von Gottesgnadentum, Hinwendung zu einem Prinzip der Staatsraison,
    Terretorialprinzip statt dynastisches Prinzip (Friedrichs Machtpolitik
    vs. Ludwig XIV Reunionskriege), Legitimität von Herrschaft
    wird begründet (Schriften, Kodifizierung), Prinzip der Verantwortung
    für die Untertanen (Selbstverpflichtung zur Gegenleistung
    im Sinne einer Fürsorgepflicht), Toleranz, Pragmatismus und
    "Utilitarismus" (Sachverwalterprinzip)

    Sonnenfels: Forderungsrecht nach
    bestmögl. Wohlstand, Leistungsprinzip

    aber: keine Gewaltenteilung, keine
    Trennung von Staat und Gesellschaft; keine Anerkennung exekutiver
    Beschränkungen (Ablehnung d. Sonnenfelsschen Fundamentalgesetzes
    durch Joseph II.), keine Kümdbarkeit des Vertrages (Holbach)


    Physiokartaismus als Zeichen dieser
    Widersprüchlichkeit: "Revolution durch die absolute
    Monarchie"

    Rücknahme vieler Entwicklung
    spricht

    - für seine Fälligkeit

    - für die Veraltetheit und Eingeseßenheit
    der ständischen Strukturen


    REFORMEN JOSEPHS II.

    Verwaltungswesen

    Universalsommerzdirektion: Koordination
    zur Reetablierung Habsburgs, Einheitlicher Wirtschaftsraum

    Verwaltung: Haugwitzsche Reform

    Modell: Friedrichs Besteuerungssystem
    in Schlesien

    Macht Österreichs: nicht durch
    einen zentralen Interventionimsus auf lokaler Ebene, sondern durch
    ein dynastisches Prinzip, welches sich im Inneren auf Adel und
    Kirche stützte.

    Kennzeichen: Provinzialismus
    und
    Partikularismus

    Angriff der reform: Oberste Justizstelle
    zur Errichtung eines Stehenden Heeres mit konstanter Truppenstärke

    Direktorium (in Publicis et Cameralibus):
    "Direktorium"

    in den Erblanden: Deputationen, später:
    Repräsentationen und Cammern

    Mängel im Hinblick auf eine
    Zentralisierung:

    - Contribution oblag immer noch der
    Zustimmung der Landgutsbesitzer

    - Ausschluß von Ungarn, Belgien
    und Lombardei

    - Kath. Besitz blieb unangestatstet

    ab 1760: Staatsrat und die Zeit von
    Kaunitz´

    Repräsentationen werden zu Gubernien
    umbenannt.


    Religionspolitik

    Allgemeines

    Maria Theresia, seine Mutter von
    1740-1780 Regentin

    von 1765 bis 1780 Mitregent

    Das Reich Wirtschaftsgeographisch:
    angrenzend an Länder mit regem Außenhandel (Holland
    und England) einer aggressiven merkantilistischen Politik (Frankreich)
    oder einer präkapitalits. Politik (England) und nahezu keinen
    Absatzmarkt im Osten (Polen)

    Verwaltungsreform: Ziel: Wohlstand
    erhöhen, dazu Peupelierung der Städte des Handels

    Schaffung von Kapitalräumen

    - Hofkanzlei

    - Hofstellen auf 6

    - Staatsrat als Koordinator

    Erziehungsreform: Auflösung
    des Jesuitenordens 1773 und

    Der Begriff der religiösen Minderheit:

    von 8,5 Mio Einwohnern sind

    - 1,9 Mio gr.-orthodox

    - 1,5 Mio Reformierte

    - 0,6 Mio Lutheraner

    - 0,5 Mio gr.-katholisch

    - 0,08 Mio Juden

    Rest: römisch-katholisch

    Augsburger Friede 1555: freie Religionswahl
    des Fürsten, jedoch noch mit regio-religio-Prinzip.

    Abschwächung d. religiösen
    Konflikts der christl. Konfessionen:

    - Außenpolit. Kriege und die
    Notwendigkeit protest. Verbündeter (England und Holland im
    Span. Erbfolgekrieg=

    - Türkenkriege

    Kryptoprotestantismus in Habsburg:
    Protestant = Staatsfeind (prueßische Gefahr)

    BücherSchmuggel und Vertreibung
    -> Bildung des Regensburger Blocks (ausgewanderte öst.
    Protestanten)

    Asylländer lieferten nicht mehr
    zurück aus.

    aber: teilweise Religionsfreiheit
    wegen Sysmmetrie (Religion als Druckmittel)

    1.) Maria Theresia

    1769 concessus in publico ecclesiasticis:

    - Isolierung der Inlandskirche von
    Rom

    - Exequatur (Zensur von Erlassen
    ausländischer Ordniarien)

    Beschränkung kirchenhoheitl.
    Rechtssprechung: Exkommunikation, Verbot von Kirchenstrafen (kein
    Kirchenkerker), Beschränkung d. kirchl. Asylrechts


    ab 1768 Aufhebung der kirchl. Steuerexemtion,
    Auflösung von Ordensprovinzkassen --> Verhinderung von
    Geldverschleppung

    Erhöhung des Ordenseintrittsalters
    auf 25

    ab 1769 Klosteraufhebungen

    ab 1753 Kampf gegen Jesuitische Schuldominanz
    und Kirchenzensur

    gipfelt 1773 in der Aufhebung des
    Jesuitenordens auf Druck der reformkatholischen europäischen
    Fürsten durch Klemens XIV.

    1754/1771 Aufhebung kirchl. Feiertage
    mit päpstlichem Einverständnis


    2.) Joseph II.

    Umgestaltung des concessus zur Geistlichen
    Hofstelle, die an die Vereinigten Hofstellen angeggiedert war

    Kirchenpolitik: alles, was nicht
    Glaubensfragen oder Intrena betrifft

    Tradition von Kaunitz und Swieten



    13. Okt. 1781 Toleranzpatent (am
    20. 10. öffentliches Zirkular):


    Unterschied zur Mutter: sie warf
    ihm religiösen Indifferentismus vor

    Ziel der Toleranz:

    - humanitär: in Gluabensfragen
    (religiöse Glückseligkeit) kann es keine Verordnetheit

    - Nutzen für das Staatswesen:
    bürgerliche Gleichheit (Ausdruck: BÜRGER!)

    Inhalt:

    - Gewährung nur privater Religionsausübung

    - weiterhin



    Verbot von Sekten (Deisten)

    - Kirchengründung f. mehr als
    100 Leute, jedoch ohne Turm und Eingang zur Straße

    - !! staatsbürgerliche Gleichstellung:
    Berufsfreiheit, Freizügigkeit

    Kriterium für Tauglichkeit f.
    Dienste nicht Religionszugehörigkeit, sondern Rechtsschaffenheit

    Folge: Zunahme der heimlichen Protestanten

    2.1. 1782 Judenpatent

    - Zugang zu Universitäten

    - Aufhebung des Leibzolles (einer
    Art Schutzzollerpressung)

    - gleiche Besteuerung

    - Berufsfreiheit

    - Zulassen eigener Schulen (Normalschulen)

    - Kleidervorschriften und Namnesvorschriften
    (keine Diskriminierung)

    Ziel: Emanzipation durch Assimilation,
    Kontrolle


    Klosterreform

    Religionsfond, gespeist aus Versteigerungen
    von Kirchenvermögen

    Ordensaufgaben (nach Erlassen): Seelsorge,
    karitative Aufgaben ("nützliche Aufgaben")

    in Bezug auf Schule und Wirtschaft")

    Kaiserliches Dekret von Sept. 1782:
    Schaffung neuer Pfarreien (640 neue Seelsogestellen)

    Einkommensregelung für niederen
    Klerus

    Ziel: Förderung kleinerer Einheiten
    zugunsten größerer (divide et impera!)

    1. Febronianismus (nach Pseudonym
    d. Trierer Weihbischofs v. Hontheim "De statu ecclesiae et
    legitima potestate Romani pontificis):

    Episkopalismus, Verbot der Exemtion,
    der Jurisdiktion der Nuntien

    2. Jansenismus:

    in Opposition zur Gegenreformation,
    Gottesgnadenlehre, patriarchale Orthodoxie

    3. Ausbildung oblag staatl. Generalseminaren:


    - Unterweisung in religiöser
    Toleranz

    - praktische Ausbildung in Landwirtschaft
    (Seelsorgeraufgabe ist " eine aufklärende Tätigkeit



    Innerkirchliche Reformen:

    - Ausrichtung der Diozösen nach
    Verwaltungseinheiten (landesgrenzen)

    - Antibarocke Ausrichtung: Verbot
    von Lokalriten und Prozessionen, Auslandswallfahrten, Beschränkung
    von Andachten, Gottesdiensten, Liatneien usw. --> neue Kirchenordnung
    rief Unwillen und Aufstand des Volks (1789/90)hervor, die oft
    alte Gebräuche offen und stillschweigend, zum Teil mit Duldung
    der Kreisämter wieder einführte (Herausregend: Dornbirnscher
    Aufstand)

    - Kirchenkampf: Auslegungsprimat
    aufgeteilt zw. Pfarrern und Kreisobmännern, Verkündigung
    der Erlässe von der Kanzel

    - Auflösung von Bruderschaften:Zusammenlegung
    zur Schaffung eines großen Sozialwerkes":

    öffentliche Almosenverteilung,
    zentrale Stiftungskommission (unter Graf Buquoi)

    Ziel: aufklärerische Idee der
    Befreiung des einzelnen vom Aberglauben (Kantisches Ideal)


    Bottom line: Isolierung der Bischöfe
    und Zuweisung der Kirche als Ordnungsfaktor Sittenlehre) und sozialkaritative
    Einrichtung, Stärkung lokaler Einheiten, finanzielle Trennung
    von Kirche und Staat (Kirchenfond), Ausbildung verstaatlicht (Generalseminare),
    Toleranz zum Zwecke der Freisetzung wirtschaftlicher


    Josephinismus im Überblick:

    Einengung auf Kirchenpolitik unangemessen

    Interpretationen:

    1. Winter: Zurückführung
    der Kirche auf ihre res spiritualia (Sakramente, Lehre und Predigt),
    dogmatische Dominaz des Katholizismus bleibt unberührt

    Mangel: Unerklärtheit der "Übergriffe"
    auf die Interna der Kirche (s.o.)

    2. Maaß: Zurückdrängen
    der Kirche auf geistlich-privaten Bereich und trotzdem Kompetenzüberschreitung,
    die sich mit dem Toleranzgedanken nicht veträgt

    3. Betonung der wirtschaftlichen
    Liberalisierung

    4. Bradler-Rottmann: Laizismus

    Maria Theresia und Hofrat Heinke
    in einem

    Gutachten von 1769:

    - Ius sepremae inspectionis

    - Ius reformandi et extinguendi

    - Ius puniendi

    Kaunitz´
    Geheiminstruktion für
    die Landesfürsten:

    - Beschränkung des Sacerdotiums
    auf das, "was Christus selbst seinen Aposteln übergeben
    hat"

    - Predigt, Christenlehre, Gottesdienst,
    Sakramente, innere Disziplin

    - freie Gewährung und Entzug
    von Privilegien

    - Konzile und Konones haben keine
    verpflichtende Kraft weder für Fürsten noch für
    das Volk

    - Ausübung der dogmatia nicht
    willkürlich und unabhängig

    5. Joseph II. persönliche Religiösität:
    streng, vernünftig, moralisch, innerlich

    In Habsburg war eine Staatsraison
    nur über die Bildung eines überkonfessionellen, d.h.
    mehr staatsbürgerlichen Bewußtseins möglich

    Valjavec: Preußen nicht nur
    Anregung, sondern auch Bedrohung: preuß. religiöse
    Toleranz war adaptiver gegenüber neuen Gebieten (Machtpolitik)
    und kulturell flexibler.

    Joseph II. Wohlfahrtsideal war individualistischer
    (größtes Glück der größten Zahl) als
    Friedrich II., der seine Untertanen oftmals als Hemmnis aufgeklärten
    Regententums ansah

    auch dort: Staat als Wohlfahrtsorganisation
    und Mahctapparat

    Friedrich blieb oft in der Theorie
    stecken (starke Theorie-Praxis-Trennung), während Joseph
    einen theoriefernen, dafür praxisnahen Weg wählte.

    Joseph II krankte durch das persönliche
    Regiment an den gleichen Symptomen wie Friedrich II.: Mißtrauen
    gegenüber dem selbstgeschaffenen Apparat, Umschwung beim
    Aufkommen des Jokabinismus (Verschärfung der Zensur, Neuorganisation
    der Geheimpolizei)
  • Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

    Skripts: Aristoteles: Nikomachische Ethik
    Eingestellt von Wolfgang Melchior am 07. 02. 2002 (1272 mal gelesen)
    Thema Arbeiten in der Philosophie
    Arbeiten in der Philosophie Wolfgang Melchior schreibt:

    ARISTOTELES:
    Nikomachische Ethik




    Methodolgie:
    "Wir betrachten die Tugend nicht, um zu lernen, was sie ist, sondern um tugendhaft zu werden"
    deswegen: Handlungen stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen



    1. Buch: 1. Kapitel
    Vermögen und Wissen/Wissen und Wollen (epistemischer und ethischer Wert)

    1. Das Gute:
    "Jede Handlung erstrebt ein Gut -- das Gute ist das, was ertrebt wird"
    Das Gute ist das, was es für den Handelnden wert ist verfolgt zu werden

    2. Die Ziele als das Gute:
    Zwei Arten von Zielen:
    a) die Handlungen um ihrer selbst willen (Ziel an sich)
    b) Handlungen zu anderen Zwecken
    (~Handlungen und Werke)

    3. Das Endziel zur Vermeidung des unendlichen Regreß':
    Das Ziel, das wir um seiner selbst willen wollen, und alles andere nur
    um seinetwillen: das Beste
    1. Problem: Fehlschluß?:
    V(H) (H R Z) -- E(Z) (H R Z) mit
    H: Handlungen
    R: besitzen
    Z: Ziel

    2. Problem:
    Es gibt mehrere letzte Ziele, also Dinge, die iwr um ihrer selbst willen
    tun: Gesundheit, Wolhlstand, Sieg (ungefähr soviele wie es Wissen-
    schaften gibt)
    Urmson:
    Unterscheidung zwischen
    - funktionalen Konstituenten zu einer umfassenderen Handlungen und
    - Mittel zu Zwecken
    Typ: Handlungen, die
    a) Ziele an sich als auch
    b) funktionale Bestandteile eines weitergehenden Ziels
    (Schritte in einem Tanz)


    So gilt: es gibt viele Ziele, die um ihrer selbst willen gewollt werden
    (und damit letzte Ziele sind), sie sind jedoch alle Teile (im
    obengenannten Sinne) des umfassendsten Ziels: der eudaimonia
    -- eudaimonia ist etwas zusammengesetztes


    (Entsprechend die Konstruktion der Wissenschaften:
    Ziel um seiner selbst willen gewollt: das Beste, das höchste Gut
    Zu welcher Wissenschaft: Staatskunst als "im höchsten Sinne leitenden
    Wissenschaft"
    --Ziel der Staatskunst: das höchste Gut: die eudaimonia der Bürger)



    2. Kap. Höchstes Gut = Glückseligkeit:
    - Gut-Leben (eu zen)
    - Sich-Gut-Gehaben (eu prattein)
    Wo anfangen:
    Platon: deszendent
    Arist.: aszendent: "mit dem Bekannten anfangen"
    Bekanntes für uns und Bekanntes an sich
    Hier schon die gegenseitige vermittlung von gut sein und gut werden:
    Charakterbildung bereits erforderlich, um gut zu werden durch die
    Vorträge.

    3. Kapitel
    Das Bekannte: drei typische Lebensweisen
    1. bios hedonetikos: Lust
    2. bios politikos: Ehre; sie wird gewollt,
    - um sich selbst für gut zu halten
    - um sich als Tugendhaft zu beweisen
    3. bios theoretikos (Kontemplation):
    (4.)Gelderwerb: nur Mittel zum Zweck, nicht Zweck um seiner selbst willen
    !!!DIE FORMEL:
    zoes teleias energeia kat'areten teleian = Verwirklichung eines
    vollendeten Lebens gemäß der vollendeten Tugend

    Einschub bis hier:
    Eudemische Ethik
    Eudaimonia: ein Ganzes dem
    - agathon
    - kalon
    - hedus
    das Beste, Schönste und Lustvollste
    entsprechend drei Formen des gelingenden Lebens:
    - politische Tugend: arete
    - philosophische Einsicht: phronesis
    - und Lusterleben: hedone
    Mensch als arche von Handlungen meint: praxis (prettein) ist an die
    Prohairesis (Vorzugswahl von Mittel zu einem unhinterfragbaren Ziel)
    gebunden
    daher: telos taucht in Handlungen als arche (Prinzip), in Wissenschaften als
    hypothesis (Erkenntnis)
    Wichtig ist die Verfehlbarkeit des Ziels dutch die prohairetischen
    Mittel!! (siehe Gegensatz zum makarios)

    Gutes Handeln:
    - aus tyche (aus glücklichem Zufall): der Büngstigte
    - kata logon: aus Vernunfteinsicht
    - dia metheos: durch Lehren
    aber: zoes teleias energeia kat'areten teleian = vollendetes Leben gemäß
    vollendeter Tugend
    vollendet ist die Tugend dann, wenn sie
    eudaimonein= eu prattein + eu zen


    Eudaimonia ist:
    - Vollendet (teleion)
    - selbstgenügsam (autarkes)
    - Endziel (telos)

    Menschliche Tätigkeit und Glück:
    Glückseligkeit



    ist ein ergon tou anthropou, ergo muß es eine
    menschlichen Wesen eignende Praxis
    Das idios des menschlichen Lebens ist: einem dem vernunftbegabten
    Seelenteile tätiges Leben (zoe kata logon).

    eudaimonia vs. eutychia:
    - kein Zustand des Glücks
    - kein Habitus (hexis; nicht im Schlaf)
    - sondern: Verwirklichung (energeia: Wirksamkeit, Tätigkeit, Bestätigung)

    Eudaimonia erreichbar durch:
    - matheton (Lernen)
    - ethiston (Gewöhnung)
    - asketon (Übung)
    - moira (göttl. Fügung)



    4. Kapitel:gegen den Idealismus Platons (Bezug auf Kap. 2)
    Das Gute und seine Bedeutungen
    Kategoriell:
    Wesenheit, Qualität, Relation, Substanz, Quantität, Zeit und Ort
    das Gute hat nichts gemeinsam in den Handlungen wie Prädikate (weiß)
    nicht eine Idee, abgetrennt und unabhängig von Handlungen
    Selbstgenügend: für sich allein das Leben begehrenswert machend
    Eudaimonia: Vollendet,(siehe oben)

    das menschliche Gut: der Tugend gemäße Tätigkeit der Seele, und zwar der
    besten und vollkommensten, und dies ein ganzes Leben lang
    dieses Gute an sich ist: keine Idee
    Erkenntnis durch: Gewöhnung, Wahrnehmung, Induktion


    Drei Güterarten: äußere Güter, Seelengüter, Leibesgüter
    Vollkommenste: Seelengüter
    "Endziel liegt in den Güter der Seele auch insofern sie den äußeren Gütern
    gegenüberstehen"

    Eudaimonia = Tugend
    Habitus oder Tätigkeit?
    Tätigkeit, da: an sich genußvoll!
    bedarf auch äußerer Güter
    Aufgabe der Staatskunst: Bürger fähig und willig zu machen, das Gute zu tun
    (=tugendhaft machen)

    Eudaimonia= Tugend+Austattung mit äußeren Gütern

    Lobenswert oder ehrenhaft?
    Lob zielt auf die Qualität, in einer best. Beziehung
    Ehre auf das Vollendete, die Wesenheit

    13. Kap.:
    Tugendgemäßes Leben
    Menschliche Tugend = Tüchtigkeit der Seele

    Vernünftiger Unvernünftiger Teil

    1. vegitatives Vermögen
    (Grundbedürfnisse; allem
    Lebendigen Gemeinsam)
    2. sinnliches Begehren und
    Maßhalten und Mäßigung (Kind-Vater-Relation)
    3. eigentliche Vernunft
    entsprechend:
    Verstandestugenden (dianoetische) ethische Tugenden (Charaktertugenden)
    Weisheit, Klugheit Freigiebigekeit und Mäßigkeit
    durch Belehrung (dia didaskalia
    mit empeiria und chronos)

    Unterscheidung:
    Willen (boulesis): Zweckwahl
    vs. Mittelwahl(prohairesis)
    deswegen: wir wollen (boulemai) die Glückseligkeit, wählen (prohairemai)
    sie aber nicht!!

    Ethische Tugend:
    ethos und Gewöhnung
    nicht von Natur aus
    Tugenden besitzen nat. Anlage, Realisierung durch Gewöhnung.
    Vermögen und dann Tätigkeit
    Besitz und Gebrauch umgedreht!
    aus gleichen Tätigkeiten entsteht gleicher Habitus -- Formung der Tätigkei-
    ten

    Handlungen und ihr Charakter:(da durch sie der Habitus bestimmt wird)
    1. das Maß:
    2. die Lust-Unlust-relation: Erziehung und Anleitung
    3. Tun und Leiden
    Nicht Lustvermeidung, sondern bei den rechten Handlungen Lust empfinden




    Ziel der Staatskunst daneben: Autarkie, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit
    und - als ethisches Moment - Glückseligekit der Bürger
    Glückseligkeit ist selbst

    Lust und eudaimonia:
    "jeder Sinn führt Lust mit sich"
    Lust ist dei "Tätigkeit der Vollendung"!!!!
    Prizipien (archai) liegen in ihrem Zweck (Worum-Willen: hou heneka)
    Ist
    Prohairis nicht ohne nous und dianoia und ohne ethischen Habitus (hexis
    ethike) denkbar (also: eu prattein nicht ohne ethos und dinoia)
    und prohairesis ist auf das Endziel (die eudaimonia) als Wahl geeigneter
    Mittel gerichtet,
    und
    - eudaimonia besteht in der Vollendung
    dann
    bedarf sie der Lust zu ihrer Vollendetheit

    Unlust ist entweder ein Hindernis (relativ) oder schlechthin ein Übel
    Lust jedoch ist etwas Erstrebenswertes
    und daher auch ein ein Gut

    Lust als Mittel, nicht Zweck der prohairesis

    Diesen Artikel per eMail senden Druckbare Version

     


    wmelchior.com
    eMail
    © Copyright: Wolfgang Melchior, 1997-2015